Tsv steinbach haiger: dreimal 1:4 – tahiri sieht licht in der nacht

1:4, 1:4, 1:4 – die Zahlenreihe liest sich wie ein Störsignal, doch Hüsni Tahiri hört einen anderen Ton. Drei Spiele, drei Klatschen – und trotzdem spricht der Trainer vom TSV Steinbach Haiger von einem „super Spiel“. Fragt man sich: Spinnt der? Oder sieht er etwas, was die Tabelle versteckt?

Tahiri zieht seine bilanz: „wir haben das 0:1 selbst gebaut, dann dominiert“

Gegen Stuttgart, gegen Homburg, gegen Großaspach – immer derselbe Kasten, immer dieselbe Reaktion des Coaches: Kopfschütteln über Einzelfehler, sofortiger Verweis auf die Phasen, in denen sein Team „verdient“ führte oder zumindest mithielt. Die Fans wittern Abstiegsluft, Tahiri witmet sich der Feinjustierung. „Wir arbeiten daran, den Bock umzustoßen – und wir werden ihn umstoßen“, sagt er mit der Gelassenheit eines Mannes, der weiß: In der Regionalliga Südwest trennen Platz 15 und Platz 5 aktuell vier Punkte. Da ist noch Luft, aber keine Zeit.

Die Luft wird dünner, wenn man die personellen Brüche betrachtet. Torwart Jesper Heim saß gegen Großaspach plötzlich auf der Bank, Kevin Ibrahim rutschte zwischen die Pfosten. Resultat: Ein Patzer führte zum 0:1, eine Glanzparade verhinderte später das 1:5. Im Abwehrzentrum fehlt Tjark Hildebrandt verletzt, also rückte Lukas Näpflein vom Sechser ins Zentrum – und leitete mit einem Fehlpass das 1:2 ein. Die Kette ist so stabil wie ein Kartenhaus im Sturm.

Sturm ohne durchschlag: pronichev, gleißner, pfahl – ein trio auf leerlauf

Sturm ohne durchschlag: pronichev, gleißner, pfahl – ein trio auf leerlauf

Maximilian Pronichev lief „gute Ansätze“ auf, bleibt aber hinter seinem Top-Level, sagt Tahiri. Kevin Gleißner, Winter-Neuzugang, bemüht sich sichtlich, aber ohne Ertrag. Jakob Pfahl jagt der Form aus den ersten Spieltagen hinterher. Drei Stürmer, ein Treffer im neuen Jahr. Die Statistik lügt nicht, aber sie erzählt auch nicht von den drei Pfostenkrachern gegen Großaspach. Fulda-Lehnerz kommt nun mit frischem Selbstvertrauen nach Mittelhessen – und mit der besten Defensive der Rückrunde.

Freitag, 19 Uhr, heimisches Stadion. Die SG Barockstadt reist an, Tabellennachbar, aber mit dem Rückenwind des Hessenpokal-Finals. Für Steinbach ist es kein Endspiel, aber ein Schlusspunkt im Negativtrend. Tahiri wird wieder umbauen müssen, vielleicht sogar Heim zurückholen, vielleicht Näpflein auf seine Sechser-Position, vielleicht Pronichev die Kapitänsbinde geben, um ihn zu entfachen. Vielleicht. Oder er vertraut erneut auf das, was er „super Spiel“ nennt, und hofft, dass diesmal die Chancen nicht nur fallen, sondern auch landen.

Die Regionalliga Südwest spielt verrückt, aber sie straft auch ab. Wer bis März nicht gewinnt, der bekommt den Herbst nicht mehr zurück. Tahiri weiß das, seine Spieler auch. Deshalb lautet die Devise: Keine weiteren 1:4-Exempel. Fulda muss herhalten, damit aus der Pechsträhne endlich ein Sieg kommt, der nicht nur die Tabelle richtet, sondern auch die Köpfe. Sonst bleibt nur die tröstliche Botschaft des Trainers – und die zählt irgendwann nicht mehr.