Trump-attack auf meloni: ist italien wirklich vom hormus-strait abhängig?

Donald Trumps scharfe Kritik an Giorgia Meloni über die italienische Unterstützung für den Krieg im Nahen Osten hat eine überraschende Wendung genommen: Er behauptete, Italien sei abhängig vom Öl aus dem Persischen Golf. Doch wie sieht die Realität aus? Eine Analyse der aktuellen Importdaten zeigt ein komplexeres Bild.

Italienische energieversorgung: ein wandel der beschaffungsquellen

Die Behauptung Trumps, Italien sei stark vom Öl aus dem Hormus-Strait abhängig, ist zwar nicht völlig unbegründet, aber irreführend. Tatsächlich hat Italien seine Energiepolitik seit dem russischen Angriff auf die Ukraine deutlich umgestellt. Während 2022 noch ein beträchtlicher Teil des italienischen Ölbedarfs (40,6%) aus der ehemaligen Sowjetunion stammte, darunter auch aus Russland, hat sich das Land diversifiziert. Die Daten von Unem (Unione energie per la mobilità) zeigen einen deutlichen Rückgang der russischen Importe.

Die Zahlen sprechen für sich: 2023 stammten 30,9% des italienischen Öls aus Afrika, gefolgt von den ehemaligen Sowjetstaaten (29%), dem Nahen Osten (21%), Amerika (14,3%) und Europa (4,7%). Der Anstieg der Importe aus Amerika und Europa war besonders bemerkenswert, während der Anteil des Nahen Ostens trotz seiner strategischen Bedeutung durch den Krieg in der Ukraine und die nachfolgenden geopolitischen Verschiebungen relativ zurückging.

Im Jahr 2024, beeinflusst durch den Angriff der Hamas und die israelische Reaktion, sank der Anteil des Nahen Ostens weiter auf 16,6%, während Afrika mit einem Anteil von 37% zum wichtigsten Lieferanten aufstieg. Libyen kehrte als größter Ölversorger Italiens zurück (21% des Gesamtbedarfs).

Die Entwicklung im Jahr 2025 zeigt eine weitere Stärkung der afrikanischen Rolle (41,3%, davon 24% aus Libyen) und einen Rückgang des Anteils des Nahen Ostens auf lediglich 12%, was eine deutliche Abkehr von der früheren Abhängigkeit vom Hormus-Strait widerspiegelt.

Erdgas: der nahe osten behält eine schlüsselrolle

Erdgas: der nahe osten behält eine schlüsselrolle

Während die Ölversorgung Italiens diversifiziert wurde, spielt der Nahe Osten weiterhin eine wichtige Rolle bei der Erdgasversorgung. Im Jahr 2022, 2023 und 2024 war Katar der größte Lieferant von verflüssigtem Erdgas (LNG), gefolgt von den USA und Algerien. Der Anteil des LNG an den gesamten Gasimporten stieg in diesen Jahren von 14% auf 25%, was die wachsende Bedeutung von LNG für die italienische Energieversorgung unterstreicht.

Die Abhängigkeit vom Nahen Osten für LNG ist jedoch geringer als im Ölsektor, da Italien seine Gasquellen ebenfalls diversifiziert hat und verstärkt auf LNG aus den USA und Algerien setzt. Die geopolitischen Risiken im Nahen Osten, insbesondere im Hormus-Strait, bleiben jedoch ein Faktor, der die Energieversorgung Italiens beeinflusst.

Donald Trumps Äußerungen werfen ein Schlaglicht auf die komplexen geopolitischen Zusammenhänge, die die italienische Energieversorgung prägen. Während die Abhängigkeit vom Öl aus dem Persischen Golf abgenommen hat, bleibt der Nahe Osten ein wichtiger Akteur, insbesondere im Bereich des LNG. Die Diversifizierung der Energiequellen und die strategische Ausrichtung auf Afrika und andere Regionen sind entscheidende Schritte zur Stärkung der Energiesicherheit Italiens. Die Zukunft wird zeigen, ob diese Strategie angesichts der sich ständig ändernden globalen Kräfteverhältnisse erfolgreich sein wird.