Trump fordert iranischen wm-verzicht – und meint: „es geht um ihr leben“

Ein Satz genügt, um die Fußballwelt ins Wanken zu bringen: Die iranische Nationalmannschaft solle auf die WM verzichten, „aus Sicherheitsgründen“. Donald Trump schreibt es selbst, mit der Gelassenheit eines Mannes, der weiß, dass seine Worte Märkte und Ministerien bewegen.

Die Bombe detonierte am Donnerstagnachmittag auf Truth Social. Dort, wo sonst Halbwahrheiten und Kampagnen-Spinner ihr Unwesen treiben, stand diesmal ein Statement, das FIFA-Präsident Gianni Infantino noch vor wenigen Tagen für ausgeschlossen hielt. Infantino hatte sich in Washington noch Zusicherungen geholt, Teheran sei „willkommen“, unabhängig von den Raketen, die sich im Nahen Osten austauschen. Jetzt rudert der US-Präsident zurück – und lässt den Iran vor einem Dilemma stehen: antreten und riskieren, wofür? Oder passen und die eigene Bevölkerung vor den Kopf stoßen?

Die drohung kam ohne datum, aber mit folgen

Irans Sportminister Ahmad Donyamali und Verbandsboss Mehdi Taj hatten bereits durchblicken lassen, dass ein Rückzuck „nicht ausgeschlossen“ sei. Was damals wie ein Verhandlungsmanöser klang, gewinnt nun den Beigeschmack von Realität. Trump spricht nicht von Sanktionen, sondern von „angemessenem Verhalten“. Das ist diplomatie für Amateure: Drohen, ohne zu drohen. Die FIFA steht vor einem Scherbenhaufen, denn die Gruppenauslosung ist seit Dezember in Stein gemeißelt – ein Nachrückverfahren wäre möglich, aber politisch brisant.

Die Verbände reagieren stumm. Kein offizielles Statement, keine Krisensitzung. Stattdessen flüstert man in Zürich, dass man „alle Szenarien prüfe“. Was heißt das schon? Dass die Ticket-Druckerei läuft, aber die Visastempel noch trocken sind. Denn wer ersetzt Iran, sollte es wirklich passieren? Die FIFA-Regularien kennen nur eine Antwort: die nächstplatzierte Mannschaft der Qualifikation. In Asien wäre das Oman – eine Elf, die zuletzt 18 Jahre auf ein WM-Tor wartet.

Infantinos friedenspreis wird zur zinnober

Infantinos friedenspreis wird zur zinnober

Die Ironie ist nicht zu übersehen: Infantino überreichte Trump im Dezember den ersten „FIFA-Friedenspreis“. Jetzt spaltet derselbe Präsident mit einem Handstreich die Wettkampf-Ordnung. Die Trophäe steht im FIFA-Museum, die Realität im Tweet. Für Infantino ist das ein Déjà-vu: 2018 musste er Saudi-Arabien und Katar in denselben Topf halten, 2022 kam der Vorwurf der Sportwäsche. Nun also Iran – und wieder ist der Weltverband der passive Beobachter, der die Scherben zusammenkehrt, nachdem das politische Geschirr zerschlagen wurde.

Die Spieler schweigen, zumindest öffentlich. Hinter den Kulissen aber sickert durch, dass ein Teil des Kaders lieber zuhause bleiben würde. Die Angst vor Protesten, vor einem Aufmarsch von Demonstrant*innen vor Hotels, vor Kameras, die jeden Schritt filmen. Die WM startet am 11. Juni in Kanada, Mexiko und den USA – drei Länder, in denen die iranische Diaspora laut wird. Die Botschaft ist klar: Kommt, aber riskiert eure Haut.

Trump braucht diesen Konflikt nicht gewinnen – er braucht ihn nur sichtbar machen. Und das ist ihm gelungen. Am Ende zählt nicht, ob Iran tatsächlich passiert, sondern dass die Diskussion über Sicherheit, Moral und Sport wieder einmal auf seinem Feld stattfindet. Die FIFA wird wie immer beteuern, dass „Fußball vereint“. Die Wahrheit ist simpler: Er spaltet, solange Politiker ihn als Bühne missbrauchen. Die nächste Akte beginnt, wenn der Iran antwortet – oder wenn er einfach nicht auftaucht. Dann nämlich wäre der erste WM-Verzicht aus „Sicherheitsgründen“ perfekt. Geschrieben von keinem anderen als dem Mann, der sich selbst gerne als Schiedsrichter der Welt inszeniert.