Tresoldi schießt barça ab – italiens torschützenkönig spielt für deutschland
17 Tore, drei davon in der Champions League, einer im Camp Nou gegen Barça – und trotzdem schaut Italien nur zu. Denn Nicolò Tresoldi, 20-jähriger Stürmer von Club Brügge, trägt das Trikot der deutschen U21. Geboren in Cagliari, aufgewachsen in Umbrien, weggezogen mit 13 Jahren nach Hannover. Jetzt feiert Belgien seinen Killer, während die Azzurri sich die Schuldfrage stellen.

Die abrechnung eines torjägers
„Vor Jahren habe ich mich für Deutschland entschieden. Sie haben mir einen Plan gezeigt, ich fühlte mich sofort gewollt – auch vom Verband“, sagt Tresoldi der Gazzetta. Coverciano dagegen schwieg. Kein Anruf, kein Zettel, nicht einmal ein Like auf Instagram. „Habe ich mindestens einen Anruf erwartet? Ja.“ Spoiler: Er kam nie.
Die Zahlen sind brutaler als jede Pressekonferenz. Acht Millionen Euro plus Boni investierte Brügge im Sommer – Schnäppchen. 17 Treffer in 29 Pflichtspielen, dazu drei Assists. In der Champions League avancierte er zur Entdeckung der Vorrunde. Sein Linksschuss gegen Barça war kein Lucky Punch, sondern ein Statement.
Italiens Verlust ist Deutschlands Gewinn. Bundestrainer Antonio Di Salvo nominierte ihn sofort, verlieh ihm die neunte. Die deutsche U21 profitiert von seiner Reife: Tresoldi kommt nicht als Rohdiamant, sondern als fertig polierter Edelstein daher. Zweikampfstark, kopfballverrückt, kaltschnäuzig im Strafraum – Eigenschaften, die Italiens Sturm vermisst.
Doch das Drama hat eine Nachspielzeit. Weil Tresoldi erst drei Länderspiele für die deutsche U21 absolvierte, könnte er noch umschalten – vorausgesetzt, Italien schaltet endlich das Handy ein. Die Uefa-Regel erlaubt den Wechsel bis zum ersten Pflichtspiel für die A-Nationalmannschaft. Die Uhr tickt. Deutschland will ihn festnageln, Italien schaut noch einmal auf die Uhr.
Im Brügger Jan-Breydel-Stadion jubeln Fans schon jetzt „Nico, Nico!“. In Gubbio dagegen fragen sich die Alten, wann ihr kleiner Superstar endlich in Azurro aufläuft. Antwort: vielleicht nie. Wer schweigt, verliert – und Italien schweigt sich gerade einen Top-Stürker weg.
