Tram in flammen: mailands öpnz brennt – vierte katastrophe in wenigen tagen
Kurz nach 9 Uhr schlugen in der via Marco Bruto Meter hohe Feuer aus der Oberleitung. Die Linie 27 wurde zur Falle. Rund 20 Fahrgäste flohen in Panik, Atemlos, aber heil. Kein Verletzter, sagt die Feuerwehr. Doch die Bilder lügen nicht: Aus dem Wagen quoll schwarzer Qualm, Flammen leckten an den Fenstern. Der Vorfall markiert den vierten Crash binnen einer Woche im Netz der Lombardei.
Der tag, an dem der strom rebellierte
Eine Hochspannungsleitung riss. Das ist die erste These der Techniker. Funken regnete auf das Dach, binnen Sekunden stand der Waggon in Vollbrand. Passanten filmten mit Handys, wie ein Mann seine Einkaufstasche vor die Tür schleuderte und sprang. Eine Frau weinte, ihr Kind zog sie weg von den Flammen. Die Rettung war Blitzaktion: Feuerwehrleute löschten binnen Minuten, Polizei sperrte die Kreuzung Mecenate/Forlanini. Der Verkehr kollabierte, Autos standen stundenlang.
Doch hinter dem Spektakel schimmert ein Systemproblem. Drei Tage zuvor entgleiste eine andere Straßenbahn. Kurz davor gab es zwei weitere technische Pannen mit Geisterbremsungen. Die Statistik bricht ein: 2023 meldete ATM, der Betreiber, 17 Zwischenfälle. 2024 sind es schon 11 – und wir haben erst März. Die Infrastruktur altert, die Wartungsintervalle wurden laut internen Papieren des Verkehrsministeriums zuletzt verlängert, um Kosten zu sparen.
Mailand zahlt den preis für jahrelange vernachlässigung
Der Regionalrat will nun Sondermittel – 50 Millionen Euro –, um Oberleitungen und Gleise zu erneuern. Die Opposition spricht von „Bandagen auf offene Brüche“. Bürgermeister Alberto Cirio kündigte eine externe Sicherheitsprüfung an. Fakt ist: Wer heute in Mailand die Linie 27 nutzt, fährt nach eigenem Ermessen. Der Betreiber ATM veröffentlichte einen lapidaren Tweet: „Leitungen werden geprüft.“ Mehr nicht.
Die Fahrgäste sind wütend. „Ich will keine Entschuldigung, ich will funktionierende Trams“, sagt Giulia Riva, 34, Bankkauffrau, die jeden Morgen mit der 27 zur Arbeit fährt. Sie zeigt auf ihre versengte Handtasche: „Das ist meine zweite diese Woche.“ Die Stadt zittert. Die Lombardei ist Italiens Wirtschaftsmotor. Wenn hier der öffentliche Nahverkehr ausfällt, kostet das laut Handelskammer täglich 1,8 Millionen Euro an Produktivität.
Die Feuerwehr gibt Entwarnung, doch die Angst bleibt. Die nächste Tram kommt – und niemand weiß, ob sie auch ankommt.
