Enrica bonaccorti starb mit 76 – das letzte interview war ein kampf gegen den tod
Sie war das Gesicht der italienischen Nachmittagsunterhaltung, jetzt ist Enrica Bonaccorti mit 76 Jahren in Rom gestorben. Ein Pankreaskrebs, den sie öffentlich wie eine private Mission bekämpfte, hat sie am Donnerstagmorgen aus der Studiolichtwelt gerissen.
„Ich fror einfach ein“ – ihr letzter satz ging durchs land
Erst im September postete sie auf Instagram die Diagnose, ohne Pathos, fast lapidar: „Ich fror einfach ein, keine Angst, keine Tränen, nur ein leeres Zimmer im Kopf.“ Die Followerzahl explodierte über Nacht, die Kommentarspalten füllten sich mit Gebeten und eigenen Überlebenstipps. Bonaccorti antwortete selbst, Nacht für Nacht, bis die Finger zitterten.
Im Oktober ließ sie die Chemo sausen. Nicht aus Verzweiflung, sondern aus Rechnung: „Die Nebenwirkungen kosten mich meine letzte Stunde vor der Kamera“, sagte sie dem Radiosender RTL 102.5. Stattdessen setzte sie auf Experimentalkuren, redete mit Onkologen in Tel Aviv und betete zu Padre Pio. Die Quote ihrer alten Shows stieg wieder, Rai Play strahlte Pronto chi gioca? neu aus – ein ironischer Nachruhm, den sie noch erlebte.

Vom theaterbänkler zur queen des nachmittags
1949 in Savona geboren, startete sie 1972 als Souffleuse am Teatro Stabile di Genova. Die Kameras entdeckten ihr Lächeln erst 1978, als sie neben Renato Zero in Zigeunerblut sang. Die Liaison wurde zur Legende, Zero schrieb ihr den Hit Amico, sie schrieb ihm die Texte für Triangolo. Doch das Fernsehen zog sie stärker. 1983 übernahm sie Pronto chi gioga? von Raffaella Carrà – ein Programm, das vor ihr schon Mondaini & Vianello ablehnten. Ihre Einschaltquote: 28 Prozent, unerreicht für Nachmittag.
1991 wechselte sie zu Berlusconi, entlarvte in Non è la Rai live eine Telefonabzocke und wurde zur Heldin der Zuschauer. Danach sank die Anrufquote, sie sank mit – Talkgast statt Moderatorin. Aber sie schrieb weiter, Lieder, Bücher, Kolumnen. Ihre Tochter Verdiana aus der Ehe mit dem Regisseur Daniele Pettinari managte ihr Instagram, als es um Abschied ging.
Jetzt ist der Account auf „Stumm“. Die letzte Story zeigt ein Zitat von ihr: „Wenn das Licht ausgeht, hoffe ich, dass ihr noch mein Lachen im Ohr habt.“ Die Kommentare darunter stoppen nicht – ein digitales Mahnmal für eine Frau, die das Land lehrte, dass man auch im Vorabendprogramm Größe zeigen kann.
