Tour de france 2026: evenepoel – die große unbekannte im red bull-bora-hansgrohe-team?
Die Vorfreude auf die 113. Tour de France steigt, und das Team Red Bull-Bora-hansgrohe präsentiert sich als ernsthafter Anwärter auf das Podium – oder sogar den Gesamtsieg. Nach dem dritten Platz von Florian Lipowitz im Vorjahr und seinen starken Leistungen bei der Tour of Slovenia schaut das Team optimistisch in die Zukunft. Doch ein Fragezeichen zieht sich wie ein Schatten über die Ambitionen: Remco Evenepoel.
Die doppelspitze – fluch oder segen?
Experte Jens Voigt warnt davor, zu viel in eine Doppelspitze zu investieren. „Eine Doppelspitze hat man meistens dann, wenn man selbst nicht fest an den Sieg glaubt“, so Voigt. Das Teamchef Enrico Denk jedoch hat sich ein klares Ziel gesetzt: „Ich habe noch nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass es mein persönlicher Wunsch ist, irgendwann die Tour de France zu gewinnen.“ Diese Aussage steht im Kontrast zu Voigts Einschätzung und lässt Fragen offen.
Der Fokus liegt unzweifelhaft auf Lipowitz, der bereits im Vorjahr mit einer beeindruckenden Fahrt begeisterte und sogar Tadej Pogacar herausforderte. Pogacar räumte Lipowitz den Respekt ein, und Voigt prophezeit: „Ich glaube auch, dass er dieses Resultat wiederholen kann.“

Evenepoels form – ein rätsel
Das größte Fragezeichen ist jedoch Remco Evenepoel. Sein Aussetzen seit Lüttich-Bastogne-Lüttich Ende April wirft Zweifel an seiner Form auf. Selbst die Teilnahme an den nationalen Meisterschaften am kommenden Wochenende steht auf dem Spiel. Es ist beängstigend: Er hat seit über zwei Monaten kein Radrennen mehr bestritten. Körperlich mag er in Topform sein, doch die Rennhärte könnte fehlen.
Voigt erklärt: „Gerade nach so einer langen Pause muss er sich wieder an die Positionskämpfe und die Duelle Ellbogen an Ellbogen gewöhnen. Der Radsport ist inzwischen so unerbittlich geworden, dass höchstens Pogacar und Vingegaard noch ein kleines bisschen Respekt genießen.“

Lipowitz im hochgebirge im vorteil – und evenepoel?
Im Kampf um den Gesamtsiegsieht Voigt Lipowitz deutlich stärker. „Sobald es ins Hochgebirge geht, halte ich Lipowitz aktuell für den stärkeren und verlässlicheren Fahrer.“ Diese Einschätzung ist nicht als Kritik an Evenepoel zu verstehen, sondern als Analyse der aktuellen Form.
Sollte Evenepoel bereits Rückstand haben, könnte er entweder auf Etappensiege fahren oder sich komplett in den Dienst von Lipowitz stellen. Das wäre ein Traumszenario für Red Bull: Lipowitz und Evenepoel in den Top 6, nur drei Minuten Rückstand, und dann ein fulminanter Angriff auf einer schweren Bergetappe.
Die schwere 14. Etappe über 3800 Höhenmeter von Mülhausen nach Le Markstein könnte der perfekte Schauplatz dafür sein. Und das Einzelzeitfahren in Évian-les-Bains bietet Evenepoel die Möglichkeit, sein Zeitfahrenskönnen auszuspielen und einen entscheidenden Vorsprung herauszufahren.
Am Ende bleibt die Frage: Kann Red Bull-Bora-hansgrohe mit einem Mix aus Lipowitz’s Hochgebirgsstärke und Evenepoels taktischer Flexibilität tatsächlich den Traum vom Gelben Trikot verwirklichen? Die Antwort liegt auf den Straßen der Tour de France – und im Mut, alles auf eine Karte zu setzen.
