Tolle verabschiedet sich nach zwölf jahren – st.gallen sichert kontinuität

Steffen Tolle ist weg. Nach zwölf Jahren im Aktionariat der FC St.Gallen Event AG zieht der Investor sich zurück und überträgt seine Anteile an die bestehende Eignergruppe. Kein Spektakel, kein Machtkampf – nur eine klare Linie: Der Klub bleibt in der Region verwurzelt.

Die ostschweiz behält die kontrolle

Die ostschweiz behält die kontrolle

Die Anteile wechseln nicht in fremde Hände. Sie bleiben dort, wo sie laut Vereinsphilosophie hingehören: bei lokalen Investoren, die den FC St.Gallen als Kulturgut, nicht als Handelsware begreifen. Tolle selbst betont, dass der Verein „wirtschaftlich und sportlich auf einem sehr soliden Fundament“ stehe. Ein Satz, der zugleich Verabschiedung und Vermächtnis ist.

Sein Einstieg 2012 fiel in eine Phase, in der der Traditionsklub neu gefestigt werden musste. Er half, Finanzlücken zu schließen, Strukturen zu professionalisieren und den Blick nach vorne zu richten. Nun, wo die Kasse stimmt und die Mannschaft mit jungen Wilden wie Chadrac Akolo und Basil Stillhart frischen Schwung holt, zieht er sich zurück – auf dem Höhepunkt.

Die Zahlen sprechen für sich: In den letzten beiden Spielzeiten stieg die Zuschauerzahl im Kybunpark um durchschnittlich 8 Prozent, das Sponsoring wächst kontinuierlich. Auch sportlich blickt St.Gallen auf eine aussichtsreiche Saison. Der Cupsieg, so Tolle, „sollte dieses Jahr drin liegen“. Kein Zufallsprodukt, sondern Resultat einer Strategie, die Kontinuität über kurzfristige Gewinnmaximierung stellt.

Die Nachfolge ist längst geregelt. Die übrigen Aktionäre – allesamt verankert in der Ostschweizer Wirtschaft – übernehmen die Anteile, ohne dass frisches Kapital von außen fließt. Kein Börsengang, kein Hedgefonds, kein Scheich. St.Gallen bleibt St.Gallen.

Für den Klub bedeutet der Wechsel Stabilität. Für Tolle einen Abschluss, der so selten ist wie ein regulärer Sieg gegen Basel. Er ging, bevor die Luft dünn wird. Und er ging, ohne das Fundament zu erschüttern. Manchmal ist der beste Transfer der, der nicht stattfindet.