Tabea kemme: fußball-expertin kämpft für respekt – und gegen vorurteile

Die Fußballwelt ist noch lange nicht so weit, wie wir uns das wünschen. Das weiß Tabea Kemme nur zu gut. Die ehemalige Nationalspielerin und gefragte TV-expertin spricht im Podcast „Flutlicht an!“ offen über die täglichen Herausforderungen, die mit der Rolle einer Frau im männerdominierten Fußball einhergehen. Es geht um Energie, Widerstände und den ständigen Balanceakt, der nötig ist, um sich durchzusetzen.

Die szene, die sprach – und nicht zum guten

Kürzlich sorgte ein Vorfall für Aufsehen: Spieler des FC Bayern ließen nach einem Champions-League-Spiel die TV-expertin Kemme schlichtweg links liegen, während ihre männlichen Kollegen gewürdigt wurden. Eine Szene, die vielsagend ist und ein erschreckendes Bild zeichnet, wie Frauen im Fußball weiterhin behandelt werden – oder eben nicht behandelt werden. Es ist eine Erinnerung daran, dass der Weg zur Gleichberechtigung noch lang ist und dass es immer noch eine Diskrepanz in der Wertschätzung gibt.

Mehr als nur ein podcast: eine plattform für veränderung

Mehr als nur ein podcast: eine plattform für veränderung

Gemeinsam mit Josephine Henning und Anja Mittag betreibt Kemme den Podcast „MBHK“ (ursprünglich „Mittags bei Henning“). Es ist mehr als nur ein Treffen dreier Freundinnen. Es ist eine Plattform, auf der offen und ehrlich über die Zustände im Fußball diskutiert wird – mit Humor, aber auch mit deutlicher Kritik an Vereinen, Verbänden und dem gesamten System. Die Themen, die sie ansprechen, sind relevant und wichtig, bekommen aber oft zu wenig Beachtung.

Die last der pionierrolle und der energiefresser

Die last der pionierrolle und der energiefresser

Kemme ist sich bewusst, dass sie als expertin im Männerfußball eine Pionierin ist. „Immer die Eine zu sein, bringt unsichtbare Aufgaben mit sich“, erklärt sie im Podcast. Sie spürt oft eine Hilflosigkeit bei ihren männlichen Kollegen, wie sie mit einer Frau am Tisch umgehen sollen. Dieser ständige Einsatz, um eine „schöne Ebene“ zu schaffen, kostet viel Energie. „Es ist ein Energiefresser – zu 90 Prozent liegt es an mir, inwiefern die Ebene geschaffen wird.“ Der Versuch, sich durchzusetzen, wird oft mit dem Argument kontert, sie habe weniger Reichweite als männliche Ex-Profis. Eine ungerechtfertigte Abwertung.

Kraft aus der natur und autonomie

Kraft aus der natur und autonomie

Wo Kemme Kraft schöpft? In der Einfachheit des Lebens, bei ihren Eltern in Norddeutschland. Die Zeit mit den Tieren, insbesondere mit den jungen Schafen, erdet sie und gibt ihr die Energie für den nächsten Fernsehauftritt. Nach ihrer Karriere im Profifußball ist ihr vor allem eines wichtig: Autonomie. Die Freiheit, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten und sich nicht von anderen vorschreiben zu lassen, wie sie zu denken oder zu handeln hat. Denn so lange war sie im Fußball fremdbestimmt.

Kemme hat gelernt, sich nicht vom System entmutigen zu lassen. Sie weiß, dass die Art der Argumentation, mit der ihr oft begegnet wird, nichts mit ihr als Person zu tun hat, sondern mit den strukturellen Problemen im Fußball. Und sie ist entschlossen, den Dialog fortzusetzen und sich für eine Veränderung einzusetzen. Denn der Fußball braucht mehr als nur Taktik und Tore – er braucht Respekt und Gleichberechtigung.