Sarpei packt aus: „unsichtbar sein brachte nichts“
Die deutsche Fußballszene staunt: Hans Sarpei, einst gefürchteter Flügelspieler, bricht in einem tiefgründigen Gespräch im SPORT1-Podcast „Deep Dive“ ein lange Zeit tabuisiertes Thema an. Seine Kindheit in Köln-Chorweiler, die ständige Angst vor Ausgrenzung und die Erkenntnis, dass Schweigen nicht die Antwort ist – Sarpei spricht offen über seine Erfahrungen mit Rassismus und wie er gelernt hat, seine Stimme zu erheben.
Von der unsichtbarkeit zur stimme: sarpeis weg
Sarpei, geboren in Ghana und mit drei Jahren nach Deutschland gekommen, wuchs in einem Viertel auf, das von sozialen Brennpunkten und fehlenden Perspektiven geprägt war. Seine Eltern gaben ihm einen einfachen, aber prägenden Rat mit auf den Weg: „Nicht negativ auffallen und unsichtbar bleiben.“ Eine Strategie des Überlebens im Deutschland der 80er und 90er Jahre, wo Menschen mit Migrationshintergrund oft unprovoziert ins Visier gerieten. „Damals war die Angst einfach zu groß, durch die Hautfarbe ins Abseits gestellt zu werden“, reflektiert Sarpei.
Doch diese vermeintliche Sicherheit währte nicht ewig. Im Profifußball, wo er durch Leistung auffallen musste, prallte Sarpeis Zurückhaltung auf die Notwendigkeit, sich zu präsentieren. Ein innerer Konflikt, der ihn jahrelang begleitete. „Es ist was anderes, wenn du auf dem Platz bist. Dann musst du dich zeigen“, so der ehemalige Bundesliga-Profi, der für Wolfsburg, Leverkusen und Schalke spielte.
Die fehlenden Vorbilder: Sarpei betont, dass ihm in seiner Zeit keine Identifikationsfiguren zur Verfügung standen, die offen gegen Rassismus kämpften. „Anthony Yeboah und Jay-Jay Okocha waren großartig, aber auch sie versuchten, durch Leistung zu glänzen und sich nicht zu exponieren.“
Der Wendepunkt kam für Sarpei „viel später“. Er erkannte, dass Stille keine Lösung ist, sondern die Probleme eher verfestigt. „Ich habe gecheckt, dass man laut sein muss und anecken muss“, erklärt er heute.

Mehr als nur fußball: sarpeis appell für die nächste generation
Heute setzt sich Sarpei aktiv für den Schutz junger Menschen ein. „Wir müssen unsere Kinder schützen, dass sie solche Erfahrungen nicht so extrem machen müssen“, mahnt er. Er sieht Bildung und Begegnung als Schlüssel zur Überwindung von Vorurteilen und Rassismus. „Unwissen führt zu Distanz. Wenn wir im Kindergarten, in der Schule anfangen, Verbindungen zu schaffen, können wir viel erreichen.“
Die Erkenntnis, dass der Dialog der wichtigste Baustein für eine offene und tolerante Gesellschaft ist, hat Hans Sarpei verändert. Vom unsichtbaren Jungen aus Köln-Chorweiler hat er sich zu einer Stimme entwickelt, die für Gerechtigkeit und Respekt eintritt. Die Zahl der rassistischen Übergriffe in Deutschland steigt weiterhin an – Sarpeis Botschaft ist daher heute dringender denn je: Schweigen ist keine Option.
