Pokalfinale: hoeneß verkündet – "besser geht’s nicht!" doch stuttgart warnt vor bayern-arroganz
München – Uli Hoeneß, der Mann, der den FC Bayern prägt wie kaum ein anderer, ließ am Sonntag keine Zweifel: Die Saison sei "besser nicht möglich" gewesen. Ein Statement, das vor dem brisanten DFB-Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart eine gewisse Erwartungshaltung erzeugt. Doch die jüngere Vergangenheit und die Erinnerung an das traumatische Pokalfinale vor acht Jahren gegen Eintracht Frankfurt mahnen zur Vorsicht.
Die triple-saison in gefahr?
Die Euphorie ist spürbar, und Hoeneß‘ Verweis auf den Filmklassiker mit Jack Nicholson – obwohl er sich in der Vergangenheit schon einmal in der Formulierung verhaspelte – unterstreicht die Selbstzufriedenheit im Lager der Bayern. Doch die Geschichte lehrt: Ein Titel muss am Ende tatsächlich her, sonst könnte die vermeintlich perfekte Saison schnell einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Christoph Freund, der Sportdirektor, ließ bereits durchblicken, dass eine Niederlage im Berliner Olympiastadion den Gesamteindruck schmälern würde – eine diplomatische Umschreibung für eine potenzielle Enttäuschung.
Denn die Erinnerung an das Pokalfinale 2018 ist noch immer lebendig. Die Bayern waren zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Weg zur Meisterschaft, scheiterten in der Champions League im Halbfinale und wurden dann von Eintracht Frankfurt aus dem Pokal geworfen. Joshua Kimmich sprach damals von einer „brutal enttäuschenden Saison“ – ein Urteil, das die hohen Ansprüche an der Säbener Straße verdeutlicht. Die SGE, wie der VfB Stuttgart, bewies damals, dass man die Bayern auch mit einem taktisch brillanten Spielplan gefährden kann.
Kimmichs Lernprozess und der Wert des Spaßes
Kimmich selbst hat mittlerweile gelernt, die Bedeutung einer einzelnen Partie in Relation zu sehen. „Von außen betrachtet zählen immer nur die Titel“, so der Routinier, „aber man muss auch den Weg dorthin sehen und den Spaß am Spiel genießen.“ Letzteres scheint unter Trainer Vincent Kompany besonders groß geschrieben zu werden, was sich positiv auf die Leistungen der Mannschaft auswirkt.
Allerdings darf sich der FC Bayern nicht von der Vergangenheit blenden lassen. Das Team spielt zwar aktuell auf einem höheren Niveau als beispielsweise in der Triple-Saison 2013, als Jupp Heynckes die Mannschaft nach einer schwierigen Phase noch zum Erfolg führte. Die Stars rissen sich damals erst nach einem Trainerwechsel zusammen – ein Szenario, das es unter Kompany zu vermeiden gilt.

Die bittere wahrheit: nur titel zählen
Trainer Kompany ist sich bewusst, dass die Geschichtsbücher des FC Bayern nur Jahre mit Trophäen in Erinnerung behalten. „In meiner Motivation spielt das keine Rolle. Nach dem Spiel wird es von allen eine Meinung geben“, so Kompany, der sich auf die Aufgabe konzentriert. Die Frage ist, ob diese Konzentration ausreicht, um den Druck standzuhalten und Stuttgart zu bezwingen.
Die Bayern müssen sich vor Augen führen, dass der VfB eine Mannschaft ist, die sich keineswegs verstecken kann. Die Schwaben haben in dieser Saison bewiesen, dass sie zu den besten Teams der Liga gehören und den Bayern alles abverlangen werden. Nur wer diese Herausforderung annimmt und mit Leidenschaft und taktischer Disziplin an die Sache geht, kann im Olympiastadion jubeln. Die Zeit der Selbstgefälligkeit ist vorbei – es gilt, Geschichte zu schreiben und die Saison gebührend zu krönen.
