Piraten-app 'cinemagoal': 100.000 nutzer in italien kassiert – strafen drohen!
Ein Schock für Sport- und Filmfans in Italien: Die illegale Streaming-App 'Cinemagoal', die Zugang zu Sportübertragungen, Filmen und Serien versprach, ist aufgedeckt worden. Die Guardia di Finanza hat im Rahmen der Operation 'Tutto in Chiaro' ein Netz zerschlagen, das tausende Nutzer mit illegalen Inhalten versorgte und den legalen Anbietern einen enormen Schaden zufügte.

Wie 'cinemagoal' funktionierte: ein ausgeklügeltes system
Die App, die als All-in-One-Lösung für Unterhaltung beworben wurde, umging die Abonnements von etablierten Streaming-Diensten wie DAZN, Sky, Netflix, Disney+ und Spotify. Nutzer installierten die App auf ihren Smartphones, Tablets und Fernsehern und erhielten über einen externen Server Zugriff auf die gewünschten Inhalte. Das System war weit mehr als nur eine einfache App – es handelte sich um ein organisiertes Netzwerk mit eigener Marke, Kundensupport und einem Vertriebsnetzwerk.
Ein lukratives Geschäft: Die jährlichen Abonnements kosteten zwischen 40 und 130 Euro, je nach gewähltem Paket. Die Bezahlungen erfolgten vorzugsweise über Kryptowährungen und ausländische Konten, was die Verfolgung der Gelder erschwerte. Ein Teil der Einnahmen ging an die Händler, der Rest an die Spitze der Organisation.
Die Ermittlungen begannen auf Social-Media-Plattformen und verschlüsselten Messaging-Diensten wie Telegram. Doch das Vertriebsnetz war weitreichender: Es gab Online-Verkäufe, aber auch Direktkontakte zu den Nutzern, sogar Verkäufe von Tür zu Tür und On-Site-Support. Die Struktur glich einer Pyramide, mit Organisatoren an der Spitze und einem Netzwerk von Händlern und Distributoren, die das Angebot präsentierten, installierten und betreuten.
Die technische Umsetzung war raffiniert. Die App verband die Geräte der Nutzer mit Servern im Ausland, die die audiovisuellen Inhalte entschlüsselten. In Italien wurden virtuelle Maschinen aktiviert, die regelmäßig Codes von legitimen Abonnements abfingen und weiterleiteten – Codes, die auf fiktive Namen zurückzuführen waren. Dadurch wurde der Eindruck erweckt, der Nutzer habe ein reguläres Abonnement. Das System umging die Schutzmaßnahmen der Plattformen, verbesserte die Videoqualität und erschwerte die Identifizierung der Nutzer.
Die Guardia di Finanza schätzt den Schaden für die legalen Anbieter auf rund 300 Millionen Euro an nicht eingenommenen Einnahmen. Im Zuge der Operation wurden Geräte, Server und weiteres Material beschlagnahmt. Ein erster Schritt in Richtung Gerechtigkeit: Rund 1.000 Nutzer haben bereits Strafbescheide erhalten, die zwischen 154 und 5.000 Euro liegen. Für die restlichen 100.000 Nutzer folgen in den kommenden Wochen weitere Maßnahmen.
Die Beteiligten drohen nun mit Anklagen wegen Audiovisuellem Piraterie, unbefugtem Zugriff auf Computersysteme und Computerbetrug. Die Operation 'Tutto in Chiaro' zeigt deutlich, wie ausgeklügelt und weitverbreitet die illegale Streaming-Piraterie sein kann – und wie wichtig es ist, legale Angebote zu unterstützen, um die Kreativwirtschaft zu schützen.
