Maskenmänner der del: wenn die familie im tor steht und der hai angst macht

Die Scheibe zischt und dann knallt sie gegen das Plexiglas – doch was bleibt hängen, ist das Gesicht im Käfig. Im Viertelfinale der Deutsche Eishockey Liga (DEL) ist nicht nur das Spiel entscheidend, sondern auch die Maske. 500 bis 1000 Euro kostet ein individuelles Kunstwerk, das die Goalies sich in einer Woche auf den Kopf malen lassen. Manchmal ist es ein Adler, manchmal ein Hai, manchmal ein toter Freund.

Maximilian franzreb trägt seine familie als horst

Mannheims Maximilian Franzreb hat sich nicht einfach das Wappen gepinselt. Auf der Rückseite seiner Maske brütet eine Adler-Familie: er selbst als stolzer Papa, neben Frau Ellena und den Töchtern Leni (3) und Liv (6 Monate) als Küken. „So habe ich immer meine Familie im Rücken“, sagt der 29-Jährige. Vereinsfarben Blau-Weiß-Rot sind nur Nebensache. „Einfach die Logos draufmachen kann jeder.“

Die Szene ist ein Seelenbild. Nach einem 0:4 zieht er den Kopfschutz ab, sieht die Kleinen und denkt: „War nur ein Spiel.“ Die Kinder machen das Peanuts, die Maske macht es sichtbar.

Janne juvonen lässt den hai mit roten augen anschreien

Janne juvonen lässt den hai mit roten augen anschreien

In Köln schwimmt ein Angriffslustiger durchs Tor. Janne Juvonens Hai ist kein niedliches Maskottchen, sondern eine Warnung: rote Augen, geöffnetes Maul, spritzendes Blut auf dem Käfig. „Die Fans in der letzten Reihe sollen es trotzdem erkennen“, sagt der Finne, der die Haie zur besten Regular-Season-Mannschaft machte und zum „Spieler des Jahres“ gewählt wurde. Die Botschaft ist klar: Wer hereinschaut, wird verschlungen.

Die Maske stammt aus seiner Heimat, wo die Druckerei die Farben so knallig mischt, dass selbst die Gegner zweimal hinschauen.

Brett brochu reist mit zwei initialen durchs play-off

Brett brochu reist mit zwei initialen durchs play-off

Ingolstadts Brett Brochu trägt keine Comicfigur, sondern zwei Buchstabenkombinationen: AK15 und CP10. Dahinter stehen zwei Jugendfreunde, die im Kanadier-Nachwuchs mit ihm spielten und nicht alt genug wurden, um selbst ein Play-off zu erleben. „Sie haben Eishockey so geliebt wie ich“, sagt der 23-Jährige. Die Maske ist ein lebendes Memorial, das mit jedem Fang weitererzählt.

Stadtpanther und Stadtwappen sind zwar auch auf dem Helm, aber die Initialen sind größer. Sport ist manchmal nur der Rahmen.

Henrik haukeland betet zwischen tiger und brücke

Henrik haukeland betet zwischen tiger und brücke

Straubings Henrik Haukeland balanciert nach Siegen seinen Schläger auf der Nase, doch vor dem Spiel blickt er nach innen. Auf der Rückseite seiner Maske kreuzigt sich Jesus zwischen den Türmen der Fredrikstad-Brücke, seiner norwegischen Heimat. „Das hilft mir, meine Ruhe zu finden“, sagt der 31-Jährige. Der Tigerkopz ziert die Oberseite – Klubtier, Raubtier, Schutzpatron.

Wer die Maske abnimmt, sieht zwei Seiten: den Profi und den Glauben. Der Glaube gewinnt in der Overtime.

Markus maier und matthias nemec sind die geister hinter den helden

Markus maier und matthias nemec sind die geister hinter den helden

Die Handwerker arbeiten in Garagen und Ateliers. Markus Maier von „M-Masken“ liefert an Franzreb, Haukeland, Stettmer. Matthias Nemec von „NemoHelmDesign“ baut Brochus Gedenken. Jede Maske ist ein Unikat, lackiert mit Pistole und Pinsel, versiegelt mit Klarlack, der Eishockey-Geschwindigkeiten aushält. Die Wartezeit beträgt eine Woche – genau die Zeit, die ein Torhüter braucht, um sich neu zu erfinden.

Die Preise klingen nach Luxus, sind aber Arbeitskleidung. 500 Euro für ein Gesicht, das Millionen sehen. 1000 Euro für ein Erbe, das ein ganzes Leben überdauert.

Die scheibe tickt, die masken bleiben

Die scheibe tickt, die masken bleiben

Wenn die Serie entschieden ist, landen die Helme im Keller oder im Museum. Die Erinnerung bleibt auf dem Eis: ein Hai, der Angst macht, ein Adler, der Familie schützt, ein Kreuz, das den Schlittschuh betet. Die DEL schreibt Tore, aber die Maskenmänner schreiben Geschichten – mit Lack, mit Liebe, mit Verlust.

Die Play-offs gehen weiter, und irgendwo in Deutschland trocknet gerade die nächste Farbe. In fünf Tagen ist sie einsatzbereit. Dann knallt wieder ein Puck, und das Gesicht im Käfig sagt mehr als jedes Interview.