Junge eishockeyspieler in der national league: wer setzt auf die talente?
Die Debatte um den Einsatz junger Spieler in der National League ist alljährlich neu. Während einige Klubs auf die Jugend setzen, scheinen andere kaum auf die Talente der U20-Jahrgänge zu vertrauen. Eine Analyse der letzten fünf Spielzeiten offenbart deutliche Unterschiede und wirft Fragen nach der Zukunft des Schweizer Eishockeys auf.
Die tabelle der eiszeiten: lugano weit hinten
Die finale Kennzahl, die uns Aufschluss über die tatsächliche Integration junger Spieler gibt, ist die durchschnittliche Eiszeit der U20-Spieler pro Saison innerhalb ihres Teams. Betrachtet wurden die Daten der letzten fünf Spielzeiten, von 2021/22 bis zur aktuellen Saison. Ein Blick auf die Tabelle zeigt ein überraschendes Bild: Der HC Lugano liegt mit durchschnittlich nur 24:02 Minuten Eiszeit pro Saison für U20-Spieler abgeschlagen am Ende. Einzig das Engagement von Cyrill Henry in dieser Saison sorgte für etwas mehr Spielzeit, doch insgesamt scheint der HC Lugano wenig Bereitschaft zu zeigen, auf junge Spieler zu bauen. Dies könnte einerseits mit der eigenen Farmteam-Beziehung zu den Bellinzona Snakes zusammenhängen, andererseits wirft es Fragen nach der langfristigen Entwicklung des Teams auf.
Auch der SC Rapperswil-Jona Lakers hinkt mit 26:03 Minuten hinterher. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass die St.Galler häufiger ältere Spieler in ihren Reihen haben, die noch weiterentwickelt werden müssen. Andrin Flütsch konnte in dieser Saison zumindest einige Einsätze sammeln, aber insgesamt blieb die Eiszeit für die jüngeren Talente gering.
Der HC Ajoie liegt mit 32:37 Minuten knapp vor Rapperswil, wobei die Jurassier keine Nachwuchsteams auf Elitestufe haben. Dies schränkt die Möglichkeiten zur Integration junger Spieler ein, auch wenn in den ersten beiden Saisons noch regelmäßiger auf U20-Spieler gesetzt wurde.

Ambri, genf und fribourg zeigen trendwende
Beim HC Ambri-Piotta gab es mit Nathan Borradori einen Hoffnungsträger in dieser Saison. Die Leventiner profitieren von der starken Saison 2023/24, in der die relevanten Spieler insgesamt 830 Minuten Eiszeit erhielten. Genève-Servette HC zeigt mit Simas Ignatavicius zwar nur einen regelmäßigen Einsatz von U20-Spielern, aber die Grenats gehören zu den Teams, bei denen U20-Spieler in dieser Saison am häufigsten zum Einsatz kamen – zumindest betrachtet man nur die aktuelle Spielzeit. Es bleibt abzuwarten, ob der Litauer den Sprung in die NHL schaffen wird.
Der Lausanne HC und HC Fribourg-Gottéron zeigen einen klaren Trend: Beide Klubs setzen vermehrt auf junge Spieler. In Fribourg hat sich die Eiszeit im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt, und die Drachen stehen aktuell im Playoff-Halbfinal – ein Beweis dafür, dass dieser Weg sich auszahlt. Ludvig Johnson ist einer der Shootingstars der Saison und vertraut auf fast 550 Minuten Eiszeit.

Zsc lions, kloten und zug setzen auf die jugend
Die ZSC Lions setzen primär auf ihre GCK Lions, geben aber auch Spielern der ersten Mannschaft die Chance, sich zu beweisen. Beim EHC Kloten, der traditionell für seine starke Nachwuchsarbeit bekannt ist, hat sich das Bild in dieser Saison jedoch etwas verändert: Erstmals seit dem Aufstieg kamen U20-Spieler auf weniger als 100 Minuten Eiszeit. Ein sportlich fragwürdiger Ansatz, wie die Tabelle der Regular Season zeigt. Der EV Zug führt die Liste mit einem Schnitt von 764:51 Minuten Eiszeit an und beweist damit weiterhin, dass die Integration junger Spieler in die erste Mannschaft Priorität hat. Gian Menzi ist ein Beispiel für die erfolgreiche Förderung junger Talente im Zuger Verein.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Während einige Klubs auf die Jugend setzen und langfristig erfolgreich sind, scheinen andere Klubs die Talente der U20-Jahrgänge zu vernachlässigen. Die Zukunft des Schweizer Eishockeys hängt davon ab, ob diese Entwicklung so weitergeht, oder ob die Klubs erkennen, dass die Förderung junger Spieler der Schlüssel zum Erfolg ist.
