Häßler feiert 60: „maradona hat uns verarschen wollen!“

Thomas Häßler, der Welt- und Europameister von 1990, blickt im Gespräch mit SPORT1 auf seine Karriere, die WM 2026 und die Fußballwelt von gestern und heute zurück. Der Jubilar feiert seinen 60. Geburtstag kurz vor dem Turnierstart und verrät, welche Spieler ihn beeindrucken und welche Momente ihm besonders in Erinnerung geblieben sind.

Ein leben für den fußball: vom star auf dem platz zum gefragten experten

Nur 1,66 Meter groß, aber eine Größe im deutschen Fußball: Thomas Häßler. Seine Erfolge sprechen für sich – Weltmeister, Europameister, Fußballer des Jahres. Nach seiner aktiven Karriere wagte er den Sprung ins Fernsehen und war sogar in der Doku zum WM-Triumph von 1990 zu sehen. Jetzt, wenige Wochen vor Beginn der WM 2026, gibt er SPORT1 ein exklusives Interview. Dabei geht es nicht nur um die deutschen Chancen, sondern auch um besondere Erinnerungen und die Frage, wer ihn im Weltfußball begeistert.

Der schlusspfiff, der die welt bewegte: häßlers erinnerung an 1990

Der schlusspfiff, der die welt bewegte: häßlers erinnerung an 1990

Die WM 1990 in Italien ist für Häßler untrennbar mit einem bestimmten Moment verbunden: dem Schlusspfiff im Finale gegen Argentinien. „Ich dachte, er will uns verarschen!“, lacht er, wenn er an die Sekunden vor dem Abpfiff zurückdenkt. Ein Moment der Ungläubigkeit, der sich in puren Jubel entlud, als der Schiedsrichter tatsächlich das Spiel beendete. „Du realisierst erst ein paar Tage später, dass du Weltmeister bist“, erinnert sich Häßler und betont die Bedeutung dieses Turniers für ihn.

Mehr fußball, mehr spannung? häßlers blick auf die wm 2026

Mehr fußball, mehr spannung? häßlers blick auf die wm 2026

Die WM 2026 mit 48 Mannschaften – eine Zäsur im Fußball? Häßler hält sich zunächst zurück. „Ich glaube, das muss man erstmal abwarten, bevor man vorzeitig urteilt.“ Die erhöhte Anzahl an Teilnehmern erscheint ihm tendenziell zu viel, lässt aber die Möglichkeit offen, dass er eines Besseren belehrt wird. „Vielleicht werde ich in den nächsten Wochen eines Besseren belehrt – ich lasse mich überraschen.“

Personelle engpässe beim dfb-team: karls ausfall ein herber schlag

Der kurzfristige Ausfall von Lennart Karl ist für Häßler ein „ganz, ganz bitterer“ Rückschlag. „Für den Jungen tut es mir unglaublich leid“, sagt er, da Karl als herausragender Nachwuchsspieler galt. Sein unbeschwerter Spielstil und sein Spaß am Fußball werden schmerzlich fehlen.

Standards als waffe: häßlers expertise und die neue entwicklung

Als erfahrener Standard-Spezialist verfolgt Häßler die Entwicklung rund um Eckbälle mit großem Interesse. Die zunehmende Bedeutung von Standards, insbesondere in der Schlussphase eines Spiels, ist ihm bewusst. „Standards sind für mich extrem wichtig! Wenn du eine Ecke nach 89 Minuten beim Stand von 0:0 so ausführst, wie du das wahrscheinlich stundenlang im Training geübt hast, kann das ein Spiel entscheiden!“

Die neuen stars: olise, mbappé und wirtz begeistern häßler

Die Frage nach den Spielern, die Häßler aktuell begeistern, führt zu einer beeindruckenden Liste. Neben Lionel Messi, der auch in der MLS noch für Freistöße sorgt, nennt er Michael Olise, Kylian Mbappé und natürlich Florian Wirtz. „Was Olise für Tore macht, das ist eine Sensation!“, schwärmt er von dem französischen Talent.

Zidane: der kompletteste mittelfeldspieler aller zeiten

Bei der Frage nach den herausragenden Gegenspielern seiner Karriere kommt Häßler zu einem klaren Fazit: Zinédine Zidane war der kompletteste Mittelfeldspieler seiner Zeit. „Für mich war das der kompletteste Mittelfeldspieler zu meiner Zeit, noch stärker als Maradona oder andere.“ Ein Spieler, der nicht nur seine technischen Fähigkeiten, sondern auch seine Spielintelligenz auszeichnete.

Ein unvergessener kollege: andreas brehme und sein einzigartiger schuss

Der Tod von Andreas Brehme im Jahr 2024 hat eine tiefe Spur hinterlassen. Häßler erinnert sich an seinen ehemaligen Mitspieler und Finalhelden von 1990 mit großer Wertschätzung. „Andi wird unvergessen bleiben!“, betont er und würdigt Brehmes einzigartige Fähigkeit, beidfüßig auf höchstem Niveau zu agieren. „1986 hat er bei der WM einen Elfmeter mit links verwandelt, im Finale 1990 hat er mit rechts geschossen. Die Torhüter müssen ja im Kreis gesprungen sein.“

Let’s dance und die rückkehr zum fußball: häßlers neue perspektive

Auch abseits des grünen Rasens hat Häßler Erfolge gefeiert – unter anderem bei „Let’s Dance“. Die Teilnahme an der Show war für ihn eine „ganz andere“ Erfahrung, die ihm großen Spaß gemacht hat. „Ich habe an meinem Körper Stellen gefunden, wo eine Muskulatur war, wo ich vorher dachte, da gibt es keine Muskulatur“, scherzt er und gibt zu, während der Show rund sieben Kilo abgenommen zu haben. Seine Trainerkarriere liegt aktuell auf Eis, aber der Wunsch, wieder im Fußball aktiv zu werden, ist ungebrochen.

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