Gummersbach schnuppert champions league: ein wettlauf gegen die zeit?
Der VfL Gummersbach hat plötzlich die champions league vor der Nase – ein Szenario, das vor wenigen Wochen noch in weiter Ferne lag. Die Oberbergischen sind nur noch zwei Punkte von der SG Flensburg-Handewitt entfernt, deren zweiter Platz die direkte Qualifikation für die Königsklasse bedeuten würde. Doch die komplizierte Reform der europäischen Handball-Spitze wirft lange Schatten und lässt die Verantwortlichen im Sauerland zappeln.

Unsicherheit als bremsklotz für die planungen
„Grundsätzlich haben wir uns nicht tagtäglich mit der champions league beschäftigt, weil es bis vor ein paar Wochen nicht realistisch war“, offenbart VfL-Geschäftsführer Christoph Schindler gegenüber Sport Bild. Und das ist kein Wunder, denn die Reform der Königsklasse ist alles andere als eindeutig. Durch die Erweiterung von 16 auf 24 Teams winkt zwar ein zusätzlicher Startplatz für die Bundesliga, doch die Vergabe dieser Plätze erfolgt nicht automatisch an die stärksten Ligen. Stattdessen können andere Nationen, der Gewinner des EHF European League oder sogar Wildcards eine Rolle spielen. Das bedeutet: Auch Platz drei in der Bundesliga könnte am Ende nicht für die Königsklasse reichen.
Schindler setzt dennoch darauf, „dass die ersten drei Plätze in der Bundesliga sich für die champions league qualifizieren“. Er ist überzeugt: „Platz drei in der Bundesliga sollte höher gewertet werden als der Sieg in der European League.“ Doch die Entscheidung der Europäischen Handball-Föderation (EHF) wird erst am Saisonende fallen – eine Zögerlichkeit, die die Vereine in eine verzweifelte Lage bringt. „Das ist verrückt und zeigt das Problem im Handball auf“, klagt Schindler. „Wir reden über Professionalisierung und in welchen Bereichen Vereine investieren müssen. Und dann hat man solche Geschichten. Und das ist gefühlt jedes Jahr so.“
Die Forderung ist klar: Sportliche Qualifikationswege müssen vorher klar definiert sein. Denn die Ungewissheit erschwert nicht nur die Planung, sondern untergräbt auch das Vertrauen in den Wettbewerb. Ein Dreikampf zwischen Gummersbach, Flensburg und den Füchsen Berlin um die verbleibenden Startplätze zeichnet sich ab – ein Rennen gegen die Zeit, in dem jede Entscheidungsgrundlage fehlt.
„Wir beschäftigen uns derzeit mit diesen ganzen Wenn-Dann-Spielchen nicht. Wir wollen die bestmögliche Platzierung für uns rausholen“, so Schindler. Die Oberbergischen konzentrieren sich auf das Spielfeld, während die politischen Schachzüge in der Handball-Führungsetage weitergehen. Ob Gummersbach am Ende tatsächlich an der europäischen Spitze mitspielen darf, bleibt abzuwarten – ein Wettlauf, der die Nerven strapaziert und die Frage aufwirft, wann der Handball-Sport endlich professionelle Strukturen bekommt, die den sportlichen Leistungen gerecht werden.
