23 Jahre später: der tod von marc vivien foé zerreißt noch immer herzen

16 Minuten vor Schluss sackte er im Mittelpunkt des Stade de Gerland ein. Die Beine klappten weg, der Blick wurde leer. 40 Grad Hitze, 80 Prozent Luftfeuchtigkeit – und ein Herz, das einfach nicht mehr wollte. Marc Vivien Foé war 28 Jahre alt, Vater dreier Kinder. An diesem 26. Juni 2003 starb er live im Halbfinale des Confederations Cups.

Die warnzeichen, die niemand ernst nahm

Seine Frau Marie-Louise erinnert sich: „Marc hatte Tage zuvor Magenkrämpfe, war bleich, sprach kaum.“ Ein Arztbesuch wurde zum PR-Termin-Ausfall – mehr nicht. Keine EKG-Kontrolle, keine Belastungsprobe. Fußball geht vor, immer. Lyon war schließlich sein ehemaliger Club, das Stadion sein Wohnzimmer. Winfried Schäfer fragte ihn zur Pause: „Alles klar?“ Foé nickte. Er wollte weiterspielen. Musste weiterspielen.

Eric Djemba Djemba war der Letzte, der mit ihm sprach: „‚Eric, ich bin müde‘, flüsterte er. Ich sagte: Ball raus, dann tauschen wir dich.“ Der Ball rollte nicht raus. Stattdessen brach Foé zusammen. Die Ärzte kämpften 45 Minuten – ohne Erfolg. Ohne Defibrillator, wie Schäfer später bitter feststellte. „Das war der Tiefpunkt meiner Karriere“, sagte der deutsche Schiedsrichter Dr. Markus Merk. „Ich zucke bis heute zusammen, wenn ein Spieler am Boden liegt.“

Die diagnose kam zu spät

Die diagnose kam zu spät

Erst die zweite Autopsie brachte Klarheit: Hypertrophe Kardiomyopathie – eine genetische Herzmuskelverdickung, die bei Belastung tödlich sein kann. Kein Herzinfarkt, sondern ein instabiles Kammerflimmern. Die Krankheit ist heimlich, oft symptomlos. Miklós Fehér 2004, Antonio Puerta 2007 – sie alle trugen dieselbe tickende Bombe in der Brust.

Die FIFA reagierte. 2004 führte sie verpflichtende Herzsiebe ab. 2006 kamen die ersten Defibrillatoren an den Seitenlinien. Kleine Schritte, große Wirkung. Doch damals, im Juni 2003, war alles noch Zukunftsmusik.

Das finale, das niemand gewinnen wollte

Das finale, das niemand gewinnen wollte

Die Partie gegen Kolumbien lief weiter. Kamerun gewann 1:0. Auf Wunsch der Witwe wurde das Endspiel nicht abgesagt. Die Spieler marschierten mit einem riesigen Foto von Foé ein. Frankreich siegte 1:0, doch Thierry Henry weinte wie ein Kind. Beide Kapitäne hoben gemeinsam den Pokal – für einen Toten.

Manchester City zog die Nummer 23 aus dem Verkehr. „Er war warmherzig, lachte viel“, schrieb City-Journalist David Clayton. „Ein Familienmensch, der nie vergaß, woher er kam.“ Die Kamerun-Fans singen noch heute sein Lied. „Foé, Foé, Foé – unser Löwe von Lyon.“

23 Jahre sind nichts, wenn der Tod vor 45.000 Augenzeugen geschieht. Der Rasen ist grün, die Trikots bunt – aber die Leere bleibt. Marc Vivien Foé starb nicht nur auf dem Platz. Er starb für eine Branche, die endlich aufwachte.