Thw-youngster schreibt nordderby-geschichte – und darf gleich bei der dhb-auswahl mittrainieren

Rasmus Ankermann schlug am Samstag in der Flens-Arena zweimal ein. Zwei Treffer, ein Rekord, ein Ticket nach Mannheim. Der 18-Jährige ist ab sofort Trainingsgast der deutschen Handball-Nationalmannschaft, weil er exakt auf den Tag Oscar von Oettingens Marke vom jüngsten Nordderby-Torschützen aller Zeiten geklettert ist.

Die szene, die den kieler jäh zum dhb-ass machte

Minute 44, Flensburg führt mit 24:22. Linksaußen Holger Glandorf verliert den Ball, Ankermann sprintet, fängt, zieht aus neun Metern halblinks ab. Tor. Sekunden später der Konter, dieselbe Waffe. 26:24. Die Zeitanzeiger in der Halle stehen auf 18 Jahre und 226 Tage – und damit auf einem neuen Eintrag in der HBL-Statistik. Kein Spieler war jemals jünger, wenn er gegen die SG Flensburg-Handewitt traf.

Die THW-Bank tobt, die Gegner schütteln den Kopf. Denn der Rekordhalter von Oettingen, heute 20 und zwischenzeitlich Flensburger, sitzt auf der gegnerischen Bank und muss mit ansehen, wie sein Name geteilt wird. Ironie des Sports: Der gebürtige Hamburger hatte den Rekord vor zwei Jahren ebenfalls beim 33:37 in Kiel aufgestellt.

Warum der dhb genau jetzt zuschlägt

Warum der dhb genau jetzt zuschlägt

Nationaltrainer Alfreð Gíslason hat den jungen Rückraumlinken schon länger auf dem Zettel. „Rasmus hat eine ungewöhnliche Reife für sein Alter“, sagt Gíslason, „er trifft aus der zweiten Welle, er trifft in Deckung, er trifft, wenn es brennt.“ Die Entscheidung fiel kurz nach Abpfiff. Statt wie geplant erst im Sommer einzuladen, lotst der Isländer den Shootingstar sofort ins Mannheimer Olympia-Stützpunktcamp. Dort trainiert der DHB-Kader seit Montag auf die EM-Quali gegen Österreich und die Olympiaspiele in Paris.

Die Zahlen sprechen für sich: In seinen ersten 13 Bundesligaspielen kam Ankermann auf 20 Tore, dazu acht Treffer im EHF-Pokal. Bei 1,93 m ist er nicht nur athletisch, sondern auch flexibel einsetzbar – ein Linkshänder, der sich zwischen Mittel- und Rückraum bewegt. Das macht ihn wertvoll für ein Nationalteam, das seit Philipp Müllers Rücktritt auf der linken Seite nach Konstanten sucht.

Was das für kiel und die liga bedeutet

Was das für kiel und die liga bedeutet

THW-Trainer Nikola Bilyk warnt vor zu viel Euphorie: „Rasmus ist 18. Er hat Potenzial, aber er ist noch lange kein Fertigprodukt.“ Dennoch: Mit Ankermann, dem 19-jährigen Erik Schmidt und dem 20-jährigen Mykola Bilyk besitzt der Rekordmeister das jüngste deutsche Rückraum-Trio der Liga. Der Verein, der in den vergangenen Jahren auf ausländische Stars setzte, könnte damit wieder eine neue deutsche Kernstruktur formen.

Für die HBL ist der Rekord ein Marketinggeschenk. Die Liga wirbt mit „Jung, wild, Bundesliga“ – und liefert mit Ankermann das perfekte Gesicht. Social-Media-Clips seiner Treffer klickten am Wochenende über 1,2 Millionen Mal, die HBL-App verzeichnete nach dem Spiel einen Download-Anstieg um 34 %. Auch das ist Sportbusiness 2024: Rekorde sind keine Randnotiz mehr, sie sind Content.

Der nächste schritt heißt paris

Der nächste schritt heißt paris

Montagabend stand Ankermann erstmals mit Andy Schmid, Julian Köster und Co. auf dem Feld. Die Profis testeten ihn sofort: Harte Checks, schnelle Gegenstöße, laute Ansagen. Der 18-Jährige ließ sich nicht beirte, traf dreimal aus der zweiten Welle. Gíslason nickte. „Er spielt, als hätte er nie etwas anderes gemacht.“

Die Qualifikationsspiele gegen Österreich finden am 25. und 28. April statt. Ein Einsatz ist nicht garantiert – aber denkbar. Denn wer mit 18 Jahren schon den Flensburger Abwehrfrieden sprengt, für den ist auch ein EM-Debüt keine Science-Fiction. Rasmus Ankermann hat den Sprung von der Jugend in die Weltspitze geschafft – und dabei nur zwei Dinger gebraucht.