Thüringer hc zittert sich ins final4 und jagt den nächsten europapokal

36:37 lautete die Niederlage, doch das THC-Triumphgeheul war lauter als jemals. Mit einem 58:65 im K.o.-Duell gegen Nykøbing Falster buchen die Handball-Frauen des Thüringer HC das Ticket zum Final4 der European League – und wollen am 16. und 17. Mai den Titel der vergangenen Saison wieder nach Erfurt holen.

Ein sieg, der wehtut – und begeistert

Die Zahlen wirken paradox: Ein Tor Verlust, trotzdem Jubel. Die Erklärung liegt im Hinspiel, das die Thüringerinnen mit 31:27 gewannen. „Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht“, sagt Herbert Müller nach dem Schlusspfiff. Der Trainer wischt sich Schweißperlen aus der Stirn, atmet tief durch. „Aber genau diese Gruppe schafft es, aus vermeintlicher Katastrophe Energie zu saugen.“

Die Partie in der Madsens-Kamp-Halle war ein offener Schlagabtausch. Nach 60 Minuten standen 73 Tore auf der Anzeigetafel – ein offener Schlagabtausch auf Augenhöhe. THC-Kapitän Ina Großmann fasst es knapp: „Wir haben das Spiel verloren, den Fight aber nicht.“

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Mit JDA Bourgogne, Viborg HK und MOL Esztergom warten drei Klubs, die europaweit für brutale Defensive stehen. Die Französinnen um Linksaußen Alicia Toublanc lassen im Schnitt nur 23,4 Treffer pro Partie zu. Viborgs Torhüterinnen Anna Kristensen und Althea Reinhardt halten zusammen 38 % aller Würfe. Esztergom wiederum setzt auf Tempo: 6,2 Tore pro Schnellangriff – Spitzenwert im Bewerb.

Müller schmunzelt, als er die Liste durchgeht. „Wir sind bereit. Unsere DNA lautet: erst zittern, dann jubeln.“ Die Statistik gibt ihm recht: In den letzten 18 K.o.-Duellen verlor der THC nur zweimal das Gesamtresultat, obwohl sie sechs Mal das Rückspiel verloren.

Die Entscheidung über den Austragungsort steht weiterhin aus. Die European League prüft Lissabon, Katowice und Graz. Der THC-Fanblock zählt bereits 1.200 gebuchte Flugtickets – Ziel offen. „Wir fliegen hinterher, egal wo“, sagt Präsident Thomas Hofmann. Die Nachfrage nach Final4-Karten übersteigt das Angebot laut Klubangaben um das 8,5-Fache.

Die Spielerinnen haben erst ein Ziel: Revanche für das verlorene Rückspiel. „Wir wollen nicht nur Titelverteidiger sein, sondern dominieren“, wirft Emily Bölk ein. Die 25-Jährige warf in der laufenden Saison bereits 72 Tore und ist damit drittbeste Europas. „Und jetzt wird es Zeit, dass wir unsere beste Phase zeigen.“

Müller packt seine Taktikmappe zusammen. „Der Pokal steht in unserer Kabine. Er wartet darauf, wieder mitzufliegen.“ Die nächste Herausforderung steht bevor. Und der Thüringer HC? Der ist bereits auf dem Weg.