Thuram schlägt zurück: drei tore nach 961 minuten – inter hofft auf serie-a-wunder

Marcus Thuram hat geschossen. Endlich. Nach 961 Minuten ohne Treffer für Frankreich und 55 Tagen ohne Tor für Inter traf der Stürmer dreimal gegen Kolumbien – und rettet damit vielleicht auch den Meistertitel der Nerazzurri.

Der knoten ist geplatzt – im richtigen moment

Der 2:0-Kopfball nach Flanke von Akliouche, der 3:1-Schlusspunkt, dazwischen die Vorlage zum zweiten Tor: Thuram lieferte in der Nacht zum Sonntag (Orlando) eine Art Selbsttherapie ab. „Ich habe gesehen, dass auch Thuram Lust hat, im Juni dabei zu sein“, sagte Nationaltrainer Didier Deschamps. Gemeint ist die Heim-WM 2026, doch der Satz gilt genauso für die nächsten sieben Serie-A-Spiele. Denn Inter, nur einen Punkt vor Milan, braucht den Thuram von vor dem 8. Februar – dem Tag des letzten Liga-Treffers.

Seitdem: acht Pflichtspiele, 18 Schüsse, kein Tor. Dazu der Muskelriss von Kapitän Lautaro, der Thuram in eine Zwangseinsamkeit im Strafraum katapultierte. Die Statistik liest sich wie ein mörderisches Quiz: 38 Schüsse in 17 Länderspiele, kein Treffer. Die Antwort lautete gestern: 41. Minute, Kopfball, 1:0. „Solid und entscheidend“, urteilte Le Parisien, L’Équipe gab eine 8 – die Höchstnote.

Deschamps’ risiko zahlt sich aus – und inzaghi atmet auf

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Der Trainer hatte Thuram trotz Torflucht mitgenommen. Es war keine Gefälligkeit, sondern ein kalkulierter Blick auf die Zukunft. „Ich hätte auch andere rufen können“, sagte Deschamps, „aber während diesem Lehrgang hat niemand an Wert verloren.“ Für Inter ist das ein Sechser im Lotto. Endlich wieder ein Stürmer, der in der gegnerischen Box spurtet, statt nur noch querzulaufen. Die Frage ist nur: reicht die Portion Selbstvertrauen für das Spitzenspiel am Samstag gegen Empoli?

Thuram selbst lief nach seinem dritten Länderspiel-Tor – er überholt damit Vater Lilian – direkt zu Mbappé an die Bank. Die Umarmung war länger als nötig, zwei Weltmeister, die künftig gemeinsam jagen wollen. „Er wird mein Sturmpartner oder mein Ersatzmann“, sagte Deschamps. Für Inter zählt vor allem: er muss wieder Torschütze sein. Denn sonst droht der erste trockene Frühling seit 2021.

Die Zahlen sind gnadenlos: Seit Thurams letztem Treffer kassierte Inter nur sieben Punkte aus fünf Spielen. Mit ihm in Form wären es vermutlich elf gewesen. Die Meisterschaft wird nicht in Mailand entschieden, sondern in den Köpfen der Angreifer. Thuram hat seinen Bann gebrochen – jetzt muss er nur noch den Ball über die Linie drücken. Dann kann aus der Torpause eine Titelfahrt werden.