Thun vor meistertitel: kann der aufstiegswunder gelingen?
Der FC Thun steht vor dem größten Erfolg in seiner Vereinsgeschichte. Sechs Spieltage vor Saisonende deutet alles darauf hin, dass die Berner Oberländer die Super League vor den etablierten Schwergewichten abschütteln und den ersten Meistertitel feiern werden. Ein Triumph, der die Schweizer Fußballlandschaft aufmischen würde.
Eine lange liste von vorreitern
Insgesamt haben bereits 19 Vereine in der Vergangenheit das Glück, sich den Schweizer Meistertitel zu sichern. Der FC Thun könnte die zwanzigste Mannschaft in dieser illustren Schar sein. Marco Bürki und Kastriot Imeri sind dabei, die Fäden zu ziehen und das Team auf dem Weg zum Erfolg zu führen. Doch der Weg ist noch nicht frei. Die jüngsten zwei Niederlagen zeigen, dass die Konkurrenz nicht schlief und der Vorsprung von zwölf Punkten auf die Verfolger, obwohl komfortabel, nicht überbewertet werden darf.
Der letzte Neuling in der Meisterrunde war der FC Sion in der Saison 1991/92, der in den 90er-Jahren sogar einen zweiten Titel nachlegte. Der Grasshopper Club Zürich, als amtierender Rekordmeister, feierte bereits 1898 seinen ersten Triumph – damals noch im Rahmen des Ruinart-Cups. Die Geschichte des Schweizer Fußballs ist reich an Überraschungen und unerwarteten Wendungen.
Was viele vergessen: Auch Vereine, die aktuell nicht in der Super League spielen, haben ihre glorreichen Momente erlebt. Der FC Aarau und Neuchâtel Xamax FCS aus der Challenge League können jeweils auf drei Meistertitel stolz sein. Gleiches gilt für den FC La Chaux-de-Fonds, der heutzutage in der 1. Liga aktiv ist. Tatsächlich fehlen noch fünf Vereine, die bisher einmal den Titel erringen konnten – eine Erinnerung daran, wie vergänglich Ruhm und Erfolg im Sport sein können.
Selbst der FC Etoile-Sporting aus La Chaux-de-Fonds, dessen erste Mannschaft derzeit in der 3. Liga kickt und somit auf der siebthöchsten Spielstufe agiert, blickt auf eine Meisterzeit zurück. Die AC Bellinzona, aus der Challenge League stammend, konnte ebenfalls einmal den Titel erringen. Und auch SC Brühl und FC Biel-Bienne aus der Promotion League reihen sich in die Liste der ehemaligen Meister ein. Der Anglo-American Club Zürich, der schon 1899 als Meister verewigt wurde, existiert indes nicht mehr. Ein Zeugnis dafür, dass selbst die größten Triumphe im Sport vergänglich sind.
Görtler und Shaqiri, zwei Spieler mit Schweizer Wurzeln, demonstrierten kürzlich in einem Spiel die Stärke der Schweizer Teams und retteten so die Ehre der Deutschschweiz. Das Ergebnis: 1:0. Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was der FC Thun in den kommenden Spielen leisten muss, um seinen Traum vom Meistertitel Wirklichkeit werden zu lassen.

Die frage, die sich stellt:
Wird Thun diesem historischen Ruf gerecht und schreibt eine neue Seite in die Schweizer Fußballgeschichte, oder wird die Konkurrenz noch einmal alles daran setzen, die Berner Oberländer vom Thron zu stoßen? Die nächsten Wochen werden es zeigen.
