Thsv eisenach: chaos und zweifel nach witte-entlassung!
Eisenach – Der ThSV Eisenach steckt in einer Krise. Nur knapp vier Wochen nach der Trennung von Manager René Witte brodeln interne Konflikte und finanzielle Sorgen unter der Oberfläche des Handball-Bundesligisten. Während die sportliche Leistung in dieser Saison solide war, droht nun der Abgrund.

Wer rettet den kultklub vor dem finanziellen kollaps?
Günter Oßwald und Peter Krauss, die derzeit die Geschäfte am Laufen halten, geben sich zwar vorsichtig optimistisch, doch die Lage ist ernst. „Wir werden das sicher nicht für die Ewigkeit machen“, erklärte Krauss gegenüber Sport BILD. „Wir wollen zuerst die Probleme lösen und dann einen Nachfolger suchen.“ Die Probleme scheinen immens, wie Krauss vor Sponsoren bereits als „prekär“ darlegte. Eine Insolvenzgefahr besteht zwar nicht unmittelbar, aber die finanzielle Situation ist keineswegs rosig.
Wie hoch das Defizit genau ist, nannten die Verantwortlichen nicht, doch die Frage brennt: Woher kommt das Minus plötzlich? Und warum kam es nach vielen unruhigen Monaten doch zur Trennung von Witte, der den Verein maßgeblich zum sportlichen Erfolg geführt hatte?
Oßwald deutete an, dass die Entscheidung, Witte zu entlassen, „eine unliebsame, aber richtige Entscheidung“ gewesen sei. „René Witte ist Genie und Wahnsinn“, so Oßwald unmissverständlich. „In Organisationsfragen ein Genie, in der Führung etwas Wahnsinn. Er hat Mahnungen von Lieferanten ignoriert, das geht nicht. Ich muss pünktlich meine Rechnungen bezahlen und kann eben nur so viel Geld ausgeben, wie ich habe.“
Die neuen Verantwortlichen haben offenbar bereits mit allen Gläubigern gesprochen und einige Verbindlichkeiten abgebaut. „Wir haben schon Verbindlichkeiten abgebaut, sind in einem guten Fahrwasser“, versicherte Oßwald. Die „strategische Ausrichtung“ des Vereins und der GmbH sei der Auslöser für Missverständnisse gewesen, so die offizielle Version. Eine im Dezember versprochene strukturelle Veränderung ist jedoch bis heute ausgeblieben – ein Punkt, auf den Witte intern immer wieder gedrängt haben soll.
Die Außenstände waren allen Gesellschaftern seit Monaten bekannt, was die Frage nach der Verantwortlichkeit noch verstärkt. Witte, der fast acht Jahre beim ThSV Eisenach tätig war, führte den Verein zurück in die Handball-Bundesliga. Doch nun scheint seine Ära beendet.
Bis Ende des Monats soll eine Mitgliederversammlung einberufen werden, bei der Neuwahlen des Präsidiums anstehen. Krauss will erneut kandidieren. Die Pläne für strukturelle Veränderungen sind jedoch vom Tisch, und der Einstieg eines weiteren Investors, der frisches Kapital hätte bringen können, ist ebenfalls gescheitert. Beschlüsse bedürfen künftig einer Dreiviertel-Mehrheit der Gesellschafter – eine Maßnahme, die zukünftige Zwietracht verhindern soll.
Doch ein weiteres Ungemach droht: Einer der Hauptgeldgeber, Ralf Weber, soll mit einem Rückzug liebäugeln. „Wir sind in Gesprächen und streben eine vernünftige Lösung mit Ralf Weber an“, so Krauss, dessen Gesichtsausdruck wenig Hoffnung auf eine schnelle Einigung vermittelt. Die Zukunft des ThSV Eisenach bleibt ungewiss – ein Kampf gegen die Zeit und die Schulden beginnt.
