Thrastarson entzaubert die liga: 132 assists und gidsel rutscht ab
Ein Isländer lenkt den deutschen Handball nach Belieben. Haukur Thrastarson hat nach 25 Spieltagen 132 Assists geschrieben – und damit Mathias Gidsel aus dem Podium gekickt. Die Berliner Weltstars müssen von oben nach unten schauen.
Die neue ordnung der dribblings
Thrastarson kam im Sommer nach Mannheim, weil die Löwen einen Regisseur suchten, der nicht nur tempo-, sondern auch kopfballstark ist. Die Antwort lautet: 5,3 Assists pro Partie. Sein Gegenpart Gisli Kristjansson (Magdeburg) hinkt 20 Pässe hinterher, bleibt aber auf Tuchfühlung. Dahinter folgt Marian Michalczik mit 109 Vorlagen – und einem Lächeln, das sagt: Wir spielen Titel, nicht Torschützenkönig.
Die Zahl, die wehtut: Gidsel steht bei 104. Der dänische Superstar war letzte Saison noch der Ausnahmekünstler, jetzt ist er Viertklassiker. Füchse-Coach Jaron Siewert muss sich fragen lassen, warum sein Kreislauf aus Tempogegenstoß und Kreisanspiel plötzlich stockt. Die Antwort liegt nicht nur in Gidsels verletzungsbedingten Ausfällen, sondern auch in einer Taktik, die den Gegner mittlerweile millimetergenau studiert.

Warum das zählt, bevor die play-offs losbrennen
Die Bundesliga ist kein Schönheitswettbewerb, sondern ein Millimeterkampf um Heimrecht im Viertelfinale. Die Teams auf Plätzen eins bis vier bekommen ein zweites Heimspiel geschenkt – ein Vorteil, der in der Postseason über Serie oder Ausscheiden entscheidet. Thrastarson liefert nicht nur die Pässe, er liefert die Punkte. Magdeburg und Hannover-Burgdorf folgen dichtauf, weil ihre Rückraum-Zwillingsmotoren ebenfalls durchstarten.
Die Konsequenz für den Rest der Tabelle: Wer jetzt nicht nachlegt, verliert Anschluss. HSV-Youngster Jacob Lassen (98 Assists) und VfL-Talent Julian Köster (80) zeigen, dass Nachwuchskräfte bereitstehen, die alte Hierarchien ins Wanken bringen. Doch Dainis Kristopans (69) und Co. müssen bald die Kurve kriegen, sonst wird aus dem Traum vom Final Four ein Frühlingsmärchen ohne Happy End.
Die Liga ist jünger, schneller, mutiger geworden – und Thrastarson ihre neue Leitfigur. Wenn er so weitermacht, steht am Ende nicht nur die Assists-Krone zu Buche, sondern vielleicht auch der Meisterpokal. Ein Isländer als König der Vorlage im deutschen Wintermärchen – das passt zur neuen, unverschämten Unberechenbarkeit dieser Saison.
