Thioune zerreißt den jubel: werders sieg war nur ein schluck wasser in der wüste
2:0 gegen Heidenheim, 14. Anlauf, erste Pleite der Konkurrenz – und trotzdem knallt Daniel Thioune den Champagner schon wieder weg: „Wir haben ja gar nichts erreicht.“ Der Satz hallt am Osterdeich, wo gestern noch gejubelt wurde.
Stimmung aufgehellt, realität unverändert
Die Zahlen sind hart: 13 Spiele ohne Sieg, 7 Ausfälle, xG-Rekord – und trotzdem war das Grün der Weser-Stadion-Rasen nur ein kurzer Blitz. Thioune sieht die „Baustellen überall“, spricht von einem „zarten Pflänzchen“, das sofort wieder austrocknen kann. Die Freude über Milosevic und Schmid ist ihm eine Sekunde wert, dann kommt der Dämpfer: „Wenn wir jetzt nachlassen, war das nur ein Strohfeuer.“
Union Berlin wartet schon, mit der gleichen Dreierkette, die Werder plötzlich selbst „rechtfertigen“ muss. Thioune lacht bitter: „Wir sind die Einzigen, die sich erklären müssen.“ Dabei hatte seine Viererkette am Wochenende Stabilität gebracht – doch Stabilität reicht nicht, wenn hinten und vorne Lücken klaffen.

Chancenverwertung: die bremse sitzt im kopf
Die Kritik trifft Werder nicht erst seit gestern. Die Saison hat 21 Tore auf dem Konto, der xG-Wert gegen Heidenheim war der höchste – und trotzdem hätte es 4:0 stehen müssen. Thioune schiebt die Schuld nicht auf die Torhüter, er schiebt sie auf die Köpfe: „Sorge würde mir bereiten, wenn die Jungs an den Chancen verzweifeln.“ Verzweiflung sieht er nicht, aber er sieht Müdigkeit. Die Rechnung: 21 Tore bei 38 xG – das ist kein Zufall, das ist ein Muster.
Die Ausfalldatei liest sich wie ein Krankenhausreport: Agu, Coulibaly, Pieper, Mbangula, Weiser, Wöber, Boniface – und Milosevic fraglich. Thioune zählt sie nicht als Ausrede auf, er zählt sie als Restrisiko. „Wenn wir jetzt glauben, dass ein Sieg alles repariert, steigen wir ab.“

Blick nach vorn: union und der selbstbetrug
Am Sonntag kommt Union, selbst mit Dreierkette, selbst mit Biss. Thioune wird wieder umschwenken müssen – hybrid, wie er es nennt. „Wir sind in der Lage, aus jeder Formation heraus zu wechseln“, sagt er, und klingt dabei wie ein Taktikfuchs, der sich selbst nicht mehr glaubt. Die Frage ist nicht, ob die Viererkette bleibt, sondern ob die Köpfe mitgehen.
Die Tabelle lügt nicht: Werder steht bei 26 Punkten, drei mehr als Relegation, fünf weniger als rettendes Ufer. Der Sieg war ein Schluck Wasser – aber die Wüste bleibt. Thioune hat den Champagner weggestellt, das Glas steht noch. Es ist leer. Und es bleibt leer, bis die Jungs ihre xG-Tore endlich in echte Tore verwandeln. Sonst war’s nur ein Strohfeuer – und der Abstieg nur vertagt.
