Thioune plant den angriff: nach dem klassenerhalt will werder bremen spielerisch durchstarten

Daniel Thioune wartet nicht auf den 34. Spieltag. Drei Tage nach dem 1:1 in Stuttgart hat der Werder-Trainer den Blick schon auf die neue Saison gerichtet – und dabei ein klares Bekenntnis abgelegt: „Ich bin gekommen, um zu bleiben.“

Sechs punkte polster, ein ziel: augsburg zu hause niederringen

Die Rechnung ist simpel. Schlägt Werder am Samstag den FC Augsburg, ist der Relegations-Platz rechnerisch nicht mehr erreichbar. Die Hanseaten hätten dann vorzeitig den Klassenerhalt in der Tasche – und Thioune seinen Job sicher. „Mein Vertrag ist so ausgerichtet, dass ich am 1. Juli noch am Spielfeldrand stehen darf“, sagte der 51-Jährige im Interview mit DAZN. Die Klausel springt bei Liga-Verbleib, die Ruhe vorzeitig besiegelt.

Doch der Coach sprach nicht nur über Punkte und Paragrafen. Er sprach über Fußball. Über den, den er spielen lassen will. „Ich bin nicht ausschließlich zum Verteidigen gekommen“, warf er ein und ließ damit die Zweifler aufhorchen, die Werder in den vergangenen Wochen als tiefstehende Wand sehen wollten.

„Brutal coole leistung“ gegen stuttgart – mit luft nach vorne

„Brutal coole leistung“ gegen stuttgart – mit luft nach vorne

Das 1:1 beim VfB war für Thioune ein Lehrstück seiner Philosophie: kompakt stehen, ja, aber auch mutig pressen. „Gegen den Ball haben wir eine brutal coole Leistung abgeliefert“, schwärmte er. Dennoch: „Ein bisschen mehr Entlastung hätte uns gutgetan.“ Die letzten zehn Minuten in der Mercedes-Benz-Arena verbrachte Werder fast ausschließlich in der eigenen Hälfte. Stuttgart drängte, Thioune schrie – und sah am Ende trotzdem „brutal stolz“ aus.

Die Zahlen geben ihm recht: Mit 30 Gegentoren nach 31 Spieltagen steht Werder defensiv so gut da wie zuletzt vor acht Jahren. Nur Bayern und Leipzig kassierten weniger. Der Preis: 36 erzielte Treffer, weniger als alle anderen Teams außer den Abstiegskandidaten. Das will Thioune ändern.

Plan b steht schon: neue saison, neuer impuls

Plan b steht schon: neue saison, neuer impuls

Der Trainer hat intern schon skizziert, wie er den Kader im Sommer umbaut: mehr Tempo außen, spielstarke Achter, eine Nebenrolle für den klassischen Sechser. „Ich hoffe, dass man mir die Chance gibt, ein bisschen mehr Fußball zu spielen“, sagte er und meinte damit auch die Verantwortlichen. Sportchef Clemens Fritz und Präsident Hubertus Hess-Grunewald signalisierten bereits Zustimmung.

Die Fans sind vorsichtig optimistisch. Nach der 0:5-Klatsche gegen Bayern folgte die Erkenntnis, dass Werder nur dann überlebt, wenn es die Balance findet zwischen Leidenschaft und Leichtigkeit. Thioune scheint sie zu kennen. Und wenn er am Samstag gegen Augsburg jubeln darf, beginnt sofort die zweite Baustelle: der Angriff auf die Tabelle von oben.

Bis dahin gilt: ein Punkt reicht. Aber der Coach will drei – und damit die Vorfreude auf eine neue Spielzeit.