Thiem: grand-slam-triumph war eine trügerische illusion
Dominic Thiem, der ehemalige Tennis-Weltranglisten-Dritter, hat im Nachhinein eine überraschende und ehrliche Analyse seines US-Open-Siegs von 2020 gegeben. Der Rückblick im Podcast „Behind the Athletes“ offenbart eine naive Erwartungshaltung, die den 32-Jährigen nach dem Triumph bitter enttäuschte. Ein Grand-Slam-Titel, einst als Schlüssel zu einem erfüllten Leben angesehen, erwies sich als flüchtige Genugtuung.
Die ernüchterung nach dem triumph
Thiem schilderte, wie er vor dem Sieg in New York glaubte, dass ein Grand-Slam-Titel all seine Sehnsüchte stillen würde. „Ich dachte: Wenn ich nie einen Grand Slam gewinne, werde ich für den Rest meines Lebens unerfüllt sein. Und wenn ich einen gewinne, wird der Rest meines Lebens großartig sein“, gestand der gebürtige Niederösterreicher. Diese Vorstellung sollte sich jedoch schnell als falsch herausstellen. Die Realität schlug hart zu, wie Thiem selbst zugab: „Ich war wirklich naiv.“
Die Tage nach dem Gewinn in New York waren geprägt von einer tiefen Ernüchterung. Was einst als der Höhepunkt seiner Karriere galt, offenbarte sich als ein kurzlebiger Moment der Freude. Thiem lernte auf die harte Tour, dass ein einziger Titel nicht die dauerhafte Erfüllung garantieren kann, die er sich erhofft hatte.

Eine neue perspektive auf den weg
Heute blickt Thiem mit einer deutlich veränderten Perspektive auf seine Karriere zurück. Seine Erfahrungen haben ihn gelehrt, den Wert des gesamten Weges zu schätzen. „Ich sehe alles als eine große Reise – und diese Reise ist so viel mehr wert, als es ein einzelner Titel jemals sein könnte“, erklärte der ehemalige Weltranglisten-Dritter. Diese Erkenntnis spiegelt eine Reife wider, die über den Erfolg oder Misserfolg auf dem Tennisplatz hinausgeht.
Besonders interessant ist auch Thiem’s Einschätzung seiner Rückhandtechnik. Nach jahrelangen Experimenten entschied er sich für die Umstellung auf eine einhändige Rückhand, eine Entscheidung, die ihm anfangs Kopfzerbrechen bereitete. „Ich war österreichischer Meister mit der beidhändigen Rückhand. Aber langfristig war es die bessere Lösung, auf einhändig zu wechseln. Danach habe ich sehr viel verloren“, so Thiem. Die Reaktion seiner Gegner war ebenso amüsant wie verständnisvoll: „Spieler, gegen die ich vorher gewonnen habe, haben mich beim ersten Turnier nach dem Wechsel gesehen und gesagt: ‚Was machst du da? Lass den Scheiß. Spiel normal, spiel wieder mit zwei Händen.‘ Und ich habe gesagt: ‚Nein. So wie ich jetzt spiele, spiele ich einhändig.’ Sie konnten es einfach nicht glauben.“
Nach seinem Karriereende im Jahr 2024 blickt Thiem ehrlich auf die verlorene Freude am Spiel zurück. Die Erkenntnis, dass der Spaß am Tennis verloren gegangen ist, markiert das Ende einer Ära, aber auch den Beginn eines neuen Kapitels, in dem er die Werte des Sports jenseits von Titeln und Rekorden schätzt.
