Teuerer asphalt stoppt italiens straßenbau – siteb fordert soforthilfe
47 Prozent teurer in 20 Tagen: Der Iran-Konflikt lässt den Preis für Bitumen explodieren. Italiens Straßenbaubranche steht vor dem Aus.

Salvini bekommt brandbrief aus mailand
Alessandro Pesaresi, Präsident des Branchenverbandes Siteb, hat am Montag dem Verkehrsminister die Zahlen geschickt, die kein Politiker lesen will: 200 Euro mehr pro Tonne Teer, Gas für die Asphaltmischwerke fast verdoppelt. Wer jetzt nicht eingreift, riskiert „Stillstand der Baustellen und Massenentlassungen“, heißt es in dem Schreiben, das tsv-pelkum-sportwelt exklusiv vorliegt.
Die Rechnung ist simpel. Bitumen ist ein Rückstand der Rohöl-Raffinerie, und wenn die Raffinerien im Nahen Osten die Produktion drosseln, fehlt das Bindemittel für jede neue Fahrbahn. Resultat: Die Preislisten der Auftraggeber sind binnen drei Wochen Makulatur. Firmen, die im Februar noch mit 420 Euro pro Tonne kalkulierten, müssen heute 620 Euro zahlen – ohne neue Verträge, ohne neue Staffeln.
Und das ist nur der Anfang. Für einen Kubikmeter Asphalt braucht ein Mischwerk zwölf Kilowattstunden Gas. Der Preis dafür stieg von 2 Euro auf 7 Euro pro Tonne. Wer jetzt einen Auftrag ausführt, verliert bei jeder Lkw-Ladung Geld. „Die Löhne bleiben gleich, die Maschinen laufen, aber die Margen sind weg“, sagt ein Vorarbeiter aus der Metropolitanstadt Mailand, der seit 25 Jahren Asphalt einbaut. „Wir fahren bald nur noch zu Inspektion, nicht mehr zu Reparaturen.“
Siteb fordert drei Maßnahmen: einen Energie-Notbeitrag für laufende Projekte, monatliche statt halbjährliche Preisrevisionen und die endgültige Anerkennung der Entsorgungskosten für Altasphalt. Ohne diese Korrekturen droht laut Pesaresi „eine Kettenreaktion: Zuerst bleiben die Heißmischwerke kalt, dann die Baustellen, irgendwann die Infrastruktur“. Die nächste Autobahn-Sperrung wegen Bruchbildung wäre dann kein Verkehrsproblem, sondern ein Wirtschaftsschaden von Milliardenhöhe.
Die Uhr tickt. In Italien sind 42 000 Kilometer Bundesstraße für die nächsten fünf Jahre saniert, 7000 Kilometer davon bis Oktober. Laut Siteb können 80 Prozent dieser Strecken nicht termingerecht fertig werden, wenn die Preise nicht innerhalb von 14 Tagen angepasst werden. Die erste Baustelle, bei der die Bagger stehen bleiben, ist bereits gemeldet: die A26 zwischen Genua und Ovada. Dort verlangt der Subunternehmer Nachschlag – oder fährt ab Freitag nach Hause.
Der Iran-Konflikt bleibt an der Tankstelle sichtbar. Doch wer glaubt, das sei alles, unterschätzt die Branche, die italienische Sportstadien, Radwege und Rennstrecken baut. Wenn hier die Motoren ausgehen, bleibt kein Trainingszentrum mehr in Schuss. Die Sportwelt spürt die Folgen genauso wie jeder Pendler. Pesaresi spricht es offen aus: „Uns droht ein Sommer voller Schlaglöcher.“