Tereza vinklárková wirft hin und sprintet sofort weiter

Die Tschechin Tereza Vinklárková verlässt die Biathlon-Bühne, bevor sie sie wirklich betreten hat. Nach fünf Jahren Weltcup zieht sie mit 28 Jahren die Reißleine – und läuft direkt in die nächste Disziplin. Skilanglauf, 90 Kilometer, kein Netz, kein Doppelstöckel. Die Frau will sich verausgaben, nicht ausruhen.

Die Entscheidung fällt mitten in der Form. Platz elf im Peking-Einzel, Staffel-Fünfte, keine Medaille, aber das beste Olympia-Ergebnis ihrer Karriere. „Ich trete zurück, während ich auf dem Höhepunkt meiner Form bin“, sagt sie im Interview mit bezky.net. Das klingt wie ein Marketing-Satz. Bei ihr ist es die nüchterne Bilanz eines Körpers, der sich seit Jahren weigert, mitzumachen.

Immunsystem als gegner

Viren, Infekte, Aussetzer – Vinklárková kannte jede Krankheitstage-Ausrede auswendig, nur dass sie keine war. Die Bronzemedaille bei der Sommer-WM 2023 war ein Stück Zement im Morast, mehr nicht. „Ich wollte nicht weiter hoffen, dass mein Immunsystem es mir erlaubt, mich zu steigern.“ Also beendet sie das Hoffen. Schluss mit Kugeln, Zielen, Herzrasen vor dem Schießstand. Stattdessen: Herzrasen nach 50 Kilometern, Pulskurve statt Schießkurve.

Die Verwandlung begann im Herbst. Eigentlich wollte sie nur die Langstrecke als Ausdauerblock für Olympia nutzen. Dann wurde aus der Nebenrolle die Hauptrolle. „Ich habe mich unvorhersehbar verliebt“, sagt sie. In die Stille der Loipe, in den Geruch von Schnee, der keine Scheiben hat. Die Ski Classics sind kein Zuckerschlecken, sie sind ein Ausnahmezustand. Vasaloppet, Birkebeiner, Marcialonga – Klassiker, bei denen sich die Seele erst ab Kilometer 60 zeigt.

Franziska preuß, dorothea wierer und jetzt vinklárková

Franziska preuß, dorothea wierer und jetzt vinklárková

Die Flucht nach vorn ist auch ein Symptom. Preuß geht, Wierer geht, Vinklárková geht. Der Frauen-Biathlon verliert drei Gesichter, die nie richtig alt wurden. Dahinter steckt kein Generationenwechsel, sondern ein System, das Athletinnen ausbrennt, bevor sie aufbrechen können. Vinklárková bricht aus, indem sie aufbricht. Kein Abschied auf Raten, kein „vielleicht komme ich zurück“. Sie läuft einfach weg. Und das ist das Aufsehenerregende: Sie hat noch Luft.

Die Tschechin wird nicht in einer Rentner-WG landen, sie wird in Schweden starten, wo die Loipe länger ist als die ganze Biathlon-Saison. Dort gibt es keine Schießzeitstrafen, nur noch Beinmuskeln, die sich verabschieden. Ihre neue Disziplin hat keine Medaillen, nur T-Shirts, die nach 90 Kilometern wie Gewichte wirken. Aber das reicht ihr. „Ich will nicht mehr warten, bis mein Körper mich wieder bremst.“ Also tritt sie aufs Gas. Richtung Norden. Weg vom Ziel, hin zur Strecke.