Tedesco raus: 22 spiele ohne niederlage – ein 0:3 reicht trotzdem
Ein einziges Spiel, drei Gegentore, und alles ist vorbei. Domenico Tedesco steht auf der Straße, obwohl er den Fenerbahçe seit September geradewegs aus der Krise geführt hatte. 22 Pflichtspiele in Folge ohne Niederlage, Supercup-Sieg gegen Galatasaray, Tabellenplatz zwei – und trotzdem reichte das 0:3 am Sonntag im Derby, um ihn feuern zu lassen.
Der präsident flog raus, der trainer auch
Die Rechnung kam über Nacht. Nach dem Schlusspfiff im Türk-Telekom-Stadion lag Fener sieben Punkte hinter Galatasaray, drei Spieltage noch, Meisterschaft so gut wie gelaufen. Statt Saran, den die Fans wegpfeifen wollten, traf der Vorstand Tedesco. Der 38-Jährige erfuhr es aus den Medien, sagt sein Berater. Kein Gespräch, kein Dank, nur ein Tweet des Klubs: „Wir trennen uns mit sofortiger Wirkung.“
Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: 2,27 Punkte pro Ligaspiel, nur zwei Liga-Niederlagen in 28 Partien, europäische Frühjahres-Runde erreicht. Doach in Istanbul zählt nur der Titel. Wer ihn nicht liefert, fliegt – egal, wie stabil die Mannschaft vorher wirkte.

Chaos war programm
Der italienische Coach übernahm einen Klub im Erdbebenmodus. Mourinho war nach dem Champions-League-Playoff-Aus gegen Benfica weg, Präsident Ali Koc musste im Oktober ebenfalls gehen. Ersatzmann Saran landete wenig später selbst für 24 Stunden im Gefängnis – Drogen-Vorwurf. Dazwischen Spieler-Skandal: Kapitän Yandas wegen Wettsucht verhaftet. Tedesco hielt das Kabel zusammen, stellte Guendouzi, Dzeko und Szymanski so auf, dass sie trotzdem trafen.
Sein Stil: hoch pressen, Ballbesitz, sofortiger Gegenstoß. Genau das liebte die Tribüne. Doch das 0:3 war keine Normalklatsche, es war ein Systemkollaps. Galatasaray lief 34 Kilometer mehr, gewann jeden Zweikampf, und Skriniar versenkte seine Kopfball-Vorlage per Eigentor. Die Bilder g um die Welt: Osimhen tanzte mit Icardi, Fener-Fans weinten, Ederson schlug den VAR-Monitor kaputt. Am Ende musste jemand bezahlen.

Nächster stopp: italien
Tedesco packt bereits. Freitagabend saß er mit seinem Berater in Modena beim Essen, sagt italienischer Medien. Sein Deutsch ist perfekt, Russisch fließend, Spanisch und Französisch sitzen – jetzt will er laut eigener Aussage „unbedingt“ in die Serie A. Napoli beobachtet ihn, Lazio sucht einen Nachfolger für Tudor. Nach Istanbul dürfte ihm das nächste Erdbeben fast wie Urlaub vorkommen.
Der Supercup-Pokal steht noch im Schaukasten an der Üsküdar-Strandpromenade. Drei Monate hielt die Euphorie. Dann reichten 90 Minuten, um sie zu begraben. Türkischer Fußball in Reinkultur: Erst wird gefeiert, dann gefeuert – und keiner erinnert sich an die Zahlen.
