Tchouaméni zerreißt brasilien – und lobt sie trotzdem
Ein Pass, ein Sprint, ein Tor. Aurélien Tchouaméni startete den Konter, der Kylian Mbappé zum 0:1 gegen Brasilien einnetzte. Dabei hatte der Franzose Sekunden zuvor gerade seinen Club-Kollegen Vinicius Jr. ausgedribbelt – und danach gesagt: „Gegen Vini zu spielen, ist verdammt schwer.“
Real-duo wird zu gegnern – und tchouaméni liefert den killerpass
Im Gillette Stadium von Foxborough nutzte Didier Deschamps die Testpartie, um seine WM-Formation zu schleifen. Tchouaméni landete einen Seitenhieb gegen Casemiro, leitete den Treffer von Ousmane Dembélé ein und bescherte Frankreich einen 2:1-Sieg. Doch der 22-Jährige wirkte nach Abpfiff nicht wie ein Sieger, sondern wie jemand, der weiß, dass das Turnier in Katar noch längst nicht gelaufen ist.
„Brasilien ist Favorit. Mit der Qualität, die die Seleção hat, wird sie zur hartnäckigsten Konkurrenz werden“, sagte er und wischte dabei die Niederlage der Südamerikaner beinahe beiläufig beiseite. Seine Worte klangen nicht nach Standard-Phrasendrescherei, sondern nach Einschätzung eines Mannes, der Vinicius jeden Tag im Training sieht.
Die Statistik untermauert seine Einschätzung: Brasilien erzielte in 17 der letzten 20 Länderspiele mindestens ein Tor, gewann 14 davon. Frankreichs Defensive kassierte in denselben 20 Spielen nur neun Gegentreffer. Trotzdem: Die Tordifferenz von 35:9 spricht Bände – und Tchouaméni kennt die Zahlen.

Wm-trauma von 2014 bleibt den franzosen im nacken
Die Erinnerung an das 0:7 von Belo Horizonte sitzt tief. Auch wenn Didier Deschamps den Großteil des Kaders gewechselt hat, flüstern französische Medien nach jedem Duell mit Brasilien von Revanche. Tchouaméni befeuert diese Debatte nicht. Er lobt stattdessen die „unberechenbare Speed“ von Vinicius und nennt Neymar einen „Spielverdichter, der mit einem Dribbling ganze Reihen auseinandernehmen kann“.
Die Botschaft: Frankreich mag gewonnen haben, aber Brasilien hat sich selbst nicht geschlagen. Die Seleção schoss 18 Mal aufs Tor, traf zweimal Aluminium und dominierte die zweite Hälfte. Tchouaméni hob das hervor – und damit auch die Tatsache, dass Frankreichs Sieg auf zwei Kontern beruhte, nicht auf Feldherrlichkeit.
Am 22. November startet die WM. Trifft Frankreich in der K.o.-Runde auf Brasilien, wird Tchouaméni erneut gegen Vinicius laufen. Dann zählen keine Freundschaftsspiel-Analysen mehr. Dann zählen nur 90 Minuten – und die Tatsache, dass Brasilien seit 60 Jahren kein WM-Achtelfinale mehr verloren hat. Die Favoritenrolle? Die hat laut Tchouaméni weiterhin grün-gelb. Frankreich trägt sie gerade nur auf dem Papier.
