Taube lenkt werder-profis ab: mainz profitiert und jubelt über tierischen glücksbringer
Ein flatterndes Grau, ein verlorener Blick – und schon liegt der Ball im Netz. Werder Bremen kassierte gegen Mainz 05 das 0:1, nachdem eine Taube die Bremer Hintermannschaft kurz vor dem Tor kurzzeitig auseinandernehmen ließ. Die 05er feiern den Vogel als „Glücksboten“, die Grün-Weißen schimpfen über eine Szene, die den Abstiegskampf verschärft.
Tor nach sechs minuten – taube als mitspieler
Paul Nebel köpfte in der 6. Minute ein, weil Marco Grüll zuvor mehr mit dem Federwild als mit seinem Gegenspieler beschäftigt war. Die Taube pickte exakt im Bremner Defensivverbund, Grüll versuchte zu scheuchen, verlor die Orientierung – und Mainz spielte schnell weiter. Kopfball, Ecke, 1:0. „Ich weiß nicht, ob sie Grüllos Blickwinkel verstellte, aber er ging nicht mit“, sagte Mitchell Weiser im DAZN-Interview schon zur Pause.
Leonardo Bittencourt schluckte nach Abpfiff sichtbar. „Wenn es die Taube war, ist das scheiße. Trotzdem dürfen wir uns so leicht nicht beirren lassen.“ Die Statistik ist gnadenlos: Bremen kassierte beim zweiten Gegentreffer erneut eine Lücke, weil die Viererkette um Sekundenbruchteile zu spät verschob. Mainz dagegen feiert den zweiten Auswärtssieg in Folge und rutscht auf Platz 13.

Nebel nennt den vogel „maskottchen“, werder droht das off
„Das ist unsere neue Tradition“, lachte Nebel, der mit 1,69 m zum kleinsten Kopfballschrecken der Liga avancierte. „Wir behalden die Taube im Videoanalyserraum – vielleicht fliegt sie ja mit nach Berlin.“ Für Werder droht dagegen der dritteAbstieg innerhalb von zwölf Jahren. Die Tabelle lügt nicht: 16. Platz, nur zwei Zähler Vorsprung auf Platz 17, fünf Niederlagen in Serie.
Trainer Ole Werner versuchte, die Aufmerksamkeits-Panne herunterzuspielen. „Wir haben 84 Minuten Zeit gehabt, zu antworten. Die Taube ist keine Entschuldigung.“ Doch die Bilder laufen rückwärts im Kopf: Grüll, der winkt, die Abwehr, die stehenbleibt, der Ball, der einschlägt. Kleine Ursache, große Wirkung – und ein neues Kapitel im Bremen-Drama, geschrieben von einem Tier, das keine Ahnung hat, was Abstiegskampf bedeutet.
Am Ende zählt nur die Tabelle. Mainz sammelt wertvolle Punkte, Werder sammelt Kopfschütteln. Die Taube ist längst davongeflogen – die Krise bleibt.
