Tabea kemme: der hohe preis für pionierarbeit im fußball
Es ist ein Spiegelbild der anhaltenden Geschlechterklischees im deutschen fußball: Tabea Kemme, ehemalige Nationalspielerin und gefragte Expertin, zahlt einen hohen Preis für ihre Rolle als Vorreiterin. Im Podcast „Flutlicht an!“ spricht sie offen über die Energie, die ihr diese Position kostet, und die Widerstände, denen sie begegnet.
Die szene bei atalanta: mehr als nur ein fehlendes klatschen
Die jüngste Episode im Podcast „MBHK“ (vormals „Mittags bei Henning“) beleuchtete ein Ereignis, das in den Medien kaum Beachtung fand: das fehlende Abklatschen einiger Bayern-Spieler nach dem Champions-League-Spiel bei Atalanta Bergamo. Kemme, Henning und Mittag, drei Freundinnen seit gemeinsamen Spielerzeiten, nutzten diesen Vorfall, um die anhaltende Ungleichbehandlung von Frauen im fußball anzusprechen. Es sei ein Zeichen dafür, wie Frauen im fußball weiterhin regelmäßig behandelt werden – oder eben nicht.
Die Last der Pionierrolle ist für Kemme real. Sie berichtet von anfänglicher Hilflosigkeit bei männlichen Kollegen, wenn sie als Expertin am Tisch sitzt. „Mein Wunsch ist es, in einem Umfeld zu arbeiten, wo wir eine schöne Ebene haben“, erklärt sie im Podcast. Doch diese Ebene muss sie oft selbst schaffen, was immense Energie kostet – „zu 90 Prozent liegt es an mir, inwiefern die Ebene geschaffen wird.“

Verhandlungen und die frage der reichweite
Kemme ist es leid, in Verhandlungen mit dem Argument konfrontiert zu werden, sie habe weniger Reichweite als männliche Ex-Profis. „Die Art der Argumentation hat nichts mit mir zu tun, sondern mit dem System“, stellt sie klar. Sie sieht es als ihre Aufgabe, den Dialog zu suchen und Verbesserungen anzustoßen. Doch die Fremdbestimmung, die sie während ihrer Karriere im fußball erfahren hat, hat ihr den Wunsch nach Autonomie und Selbstbestimmung nähergebracht.
Die ehemalige Nationalspielerin schöpft Kraft in den einfachen Dingen: auf dem Hof ihrer Eltern in Norddeutschland, wo gerade die Schafe Nachwuchs bekommen. „Die Zeit mit den Tieren erdet und gibt Energie“, sagt sie.
Das Trio Kemme, Henning und Mittag hat mit ihrem Podcast „MBHK“ eine Plattform geschaffen, um wichtige Themen anzusprechen, die in der Fußballwelt oft untergehen. Es bleibt zu hoffen, dass der öffentliche Diskurs über die Gleichberechtigung im fußball bald eine größere Bedeutung erhält - und dass Frauen wie Tabea Kemme nicht länger für ihre Pionierarbeit einen so hohen Preis zahlen müssen. Denn die Konstanz der Situation zeigt: Es ist nicht die Expertise der Frauen, die fehlt, sondern der Respekt dafür.
