Swiateks thron wackelt: wilander sagt offenen kampf um roland-garros
Paris, 20. Mai 2026 – Iga Swiatek war hier jahrelang eine Ein-Mann-Armee. Nicht mehr. Mats Wilander blickt durch den Eurosport-Monitor und lacht kurz auf: „Diesmal hat sie Gesellschaft bis zum Schluss.“
Die königin verliert die alleinherrschaft
Vier Titel in fünf Jahren, 25 Matchsiege in Serie – das war Swiateks Rasenmäher-Ära auf dem gelben Staub. Doch die endete 2025 mit einem Sabalenka-Hammer im Halbfinale. Seitdem fährt die Polin zwar weiter gute Zahlen, aber sie wirkt greifbar. In Rom musste sie gegen Svitolina drei Matchbälle abwehren, um nicht schon im Viertelfinale zu scheitern. Ihre Vorhand-Inside-Out kommt nicht mehr mit der alten Explosion aus der Ecke, und die erste Aufschlagquote schwankt zwischen 54 und 67 Prozent – ein Unterschied, der auf Sand gleich zwei Schläge kostet.
Wilander, selbst dreimal Sieger zwischen den Buchen, erkennt die Schwäche sofort: „Früher konnte man gegen Iga nur beten. Heute kann man plötzlich zählen – wie viele Bälle sie braucht, um eine Rallye zu beenden.“

Die jägerinnen sind längst auf der lauer
Coco Gauff trägt diesmal nicht nur den Titel, sondern auch ein neues Return-Setup: längere Balancephase, schwerer Rahmen, 15 Gramm mehr im Griff. Die Statistik: Seit März gewinnt sie 41 % aller Return-Games – nur Svitolina ist besser. Dazu kommt ihre unorthodoxe Slice-Variante auf die Swiatek-Rückhand, eine Seite, die in diesem Jahr schon 38 unerzwungene Fehler in drei Duellen gegen die Amerikanerin produzierte.
Aryna Sabalenka wiederum spielt mit dem Druck, nicht gegen ihn. Ihre 2025er Final-Pleite war die sechste Grand-Slam-Niederlage ohne Satzgewinn. Doch sie hat sich einen Psychologen ins Team geholt und verzichtet seit April auf Instagram – ein kleiner Krieg gegen Ablenkung. Ergebnis: 17 Siege in Folge, darunter Madrid und Stuttgart. Wilander: „Wenn Aryna erst mal trifft, zählt in Paris nur noch die Uhrzeit.“
Und dann ist da Elina Svitolina. Die 31-Jährige, vor drei Jahren noch in Babypause, hat in Rom ein Turnier gespielt, das man eigentlich nur in Videospielen sieht: Rybakina, Swiatek, Gauff – alles in fünf Tagen. Ihre neue Taktik: früher Stellungswechsel, noch aggressiveres Vorwärtslaufen. Die Ukrainerin gewinnt 72 % der Netzpunkte, ein Wert, den sonst nur Doppel-Spezialisten erreichen. „Sie hat den Sand nicht mehr unter, sondern über sich“, sagt Wilander und grinst. „Wenn du gegen Elina nur verteidigst, bist du selbst schuld.“

Die verborgene statistik, die alles erklärt
Seit Januar haben die Top-10-Spielerinnen untereinander bereits 19 Drei-Satz-Kämpfe auf Sand geliefert – ein Rekordwert seit Einführung der WTA-Statistik 2007. Übersetzt: Die Differenz ist so gering wie nie. Swiateks Punkte-Vorsprung auf Rang zwei (Sabalenka) beträgt gerade mal 680 Zähler – im Vorjahr waren es noch 2.140. Die Weltrangliste schrumpft, das Feld wächst zusammen.
Wilander drückt es auf schwedisch aus, dann übersetzt er selbst: „Es riecht nach Vier-Sterne-Restaurant, aber jeder hat das gleiche Messer.“
Das Turnier beginnt am 24. Mai. Die Draw-Ceremony findet am 21. Mai statt. Wer auch immer das Netz am 7. Juni um 15 Uhr Ortszeit durchbricht, wird sich nicht einfach in die Liste der Champions einreihen. Sie wird diesmal einen neuen Namen prägen – oder einen alten, der plötzlich wieder neu wirkt. Wilanders letzter Satz klingt wie ein Kompliment an alle und wie eine Warnung an Swiatek: „In Paris zählt nicht mehr der Titel auf dem Papier, sondern der letzte Satz im Bein.“
