Sven ulreich rückt nach schicksalsschlag und verletzungspech in bayerns tor
Sven Ulreich stand lange im Schatten – des Weltstars Manuel Neuer, des Nachwuchsbären Jonas Urbig und des größten Schmerzes, den ein Elternteil ertragen muss. Nun steht der 37-Jährige plötzlich wieder im Mittelpunkt des Rekordmeisters, denn Bayern München muss gegen Leverkusen und womöglich auch im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League bei Atalanta auf beide Stammtorhüter verzichten.
Der Muskelbündelriss in Neuers Wade und Urbigs Gehirnerschütterung in Bergamo katapultieren Ulreich an diesem Samstag (15.30 Uhr) ins Bundesliga-Feuer. Es wäre sein erstes Pflichtspiel seit dem 5:0 in Bremen am 21. September 2024 – 535 Tage zuvor, eine Ewigkeit für einen Schlussmann, der einst beim VfB Stuttgart zwischen die Pfosten gehört wurde.
Die rufnummer eins steht, die seele läuft noch
Ulreichs Comeback hat zwei Geschwindigkeiten: Die sportische ist schnell – wer in München verlässlich war, bleibt es. Die menschliche dagegen verläuft in kleinen, qualvollen Schritten. Im Sommer 2025 starb sein Sohn Len nach langer Krankheit im Alter von nur sechs Jahren. „Schritt für Schritt wieder ins Leben finden“, beschrieb der Keeper das Unfassbare. Der Klub hielt die Stange stabil, ließ Ulreich die Zeit, die er brauchte, und stellte sich hinter die Familie.
Diese Loyalität schlägt sich nun in Vertragsüberlegungen nieder. Wie die „kicker“-Redaktion erfuhr, könnte sich Bayern eine Verlängerung über den Juni 2026 hinaus vorstellen – ebenso wie Ulreich selbst, so er gesund bleibt und die Nummer-drei-Rolle akzeptiert. Der Konkurrenzkampf hinter Neuer ist damit kein Kurzschluss, sondern ein offenes Kapitel.

Kompany muss teenager auf der bank lassen
Vincent Kompany blickt am Samstag auf einen Notkader: Hinter Ulreich lauern mit Leonard Prescott (16) und Jannis Bärtl (19) zwei Nachwuchskräfte, deren Bundesliga-Erfahrung sich auf Trainingsrunden beschränkt. Eine riskante Konstellation gegen die Werkself, die in der BayArena seit 18 Partien ungeschlagen ist. Ulreichs letzte Einsätze – 103 Pflichtspiele in Rot-Weiß – lassen zwar keine Luftnummer erwarten, doch Rhythmus ist ein anderes Wort als Routine.
Die Personalie wirkt bis in die Planung des Sommers hinein. Sollte Neuer seinen im März auslaufenden Kontrakt verlängern, bleibt Urbig die Zukunft, Ulreich die Konstante. Kommt keine Einigung, droht ein Umbruch: Urbig würde zur neuen Nummer eins aufsteigen, ein erfahrener Zweiter käme extern, und die ausgeliehenen Alexander Nübel sowie Daniel Peretz dürften endgültig abgegeben werden. Bis dahin aber zählt nur ein Name – der des Mannes, der aus tiefer persönlicher Dunkelheit zurückkehrt, um das Tor zu hüten, das ihn einst zur Unsichtbarkeit verdammte.
Ulreich selbst schwieg diese Woche. Er trainierte, wie er seit Monaten trainiert: lautlos, präzise, mit Blicken, die sich nur auf den Ball richten. Wenn er am Samstag unter die Latte läuft, wird kein Feuerwerk folgen – nur die Erkenntnis, dass manche Karrieren eben nicht linear verlaufen, sondern kreisen. Und dass der Kreis für Sven Ulreich gerade wieder bei Bayer Leverkusen beginnt.
