Svajda: der amerikanische underdog stürmt durch roland garros
Paris – Inmitten des französischen Tennis-Frühling, der von Sinner und Cobolli dominiert wird, hat ein Name für Aufsehen gesorgt: Zachary Svajda. Der 22-jährige Kalifornier, der bisher eher im Schatten agierte, hat mit seinem überraschenden Sieg über Francisco Cerundolo im fünfsten Satz die Tenniswelt überrascht und steht nun im Achtelfinale von Roland Garros. Ein Sieg, der nicht nur sportlich, sondern auch emotional eine besondere Bedeutung trägt.
Ein ungewöhnlicher weg zum erfolg
Svajdas Karriereweg gleicht keinem typischen Tennis-Talent. Bis zu seinem 16. Lebensjahr nahm er überhaupt nicht an Turnieren teil. Seine Eltern sahen keinen Sinn darin, jede Woche umherzureisen. Stattdessen konzentrierten sie sich auf das Training und die Entwicklung des Spiels – eine Entscheidung, die sich nun auszahlt. Beide Elternteile waren selbst Trainer, was Svajda einen entscheidenden Vorteil verschaffte. „Mit meinen Eltern haben wir es nicht für nötig gehalten, jede Woche zu reisen“, erklärte er in der Vergangenheit. „Wir haben uns auf die Verbesserung konzentriert, denn das Spiel in Turnieren unterscheidet sich vom reinen Training.“
Diese unkonventionelle Herangehensweise führte jedoch zu bemerkenswerten Ergebnissen. Svajda gewann zweimal die US-amerikanischen Jugendmeisterschaften (2019 und 2021) und sicherte sich damit eine Wildcard für die US Open. Dort traf er im zweiten Satz auf Jannik Sinner und musste sich dem jungen Italiener geschlagen geben.

Der sieg für den vater
Der Sieg gegen Cerundolo hatte für Svajda eine zusätzliche Bedeutung. Der 30. Mai wäre der Geburtstag seines Vaters Tom gewesen, der 2025 an Krebs verstarb. Tom war sein erster Trainer und eine prägende Figur in seinem Leben. Svajda widmete den Sieg seinem Vater, der ihn immer dazu ermutigt habe, an sich selbst zu glauben und sein volles Potenzial auszuschöpfen. „Er hätte mir gesagt, dass ich das schaffen kann und dass ich jeden schlagen kann“, so Svajda sichtlich bewegt.

Ein ruhiger kopf im sturm
Svajda gilt als ruhiger und besonnener Spieler, der seine Emotionen nicht offen zur Schau stellt. „Ich bin schon immer sehr ruhig gewesen, sowohl auf als auch neben dem Platz“, sagte er in einem früheren Interview. „Ich arbeite daran, etwas mehr positive Energie zu zeigen. Das wird noch etwas Zeit brauchen.“ Diese Gelassenheit könnte ihm im Achtelfinale gegen Flavio Cobolli helfen, dem er bereits in Delray Beach gegenüberstand. Seine Erfahrung auf Sand ist zwar begrenzt, aber Svajda scheint sich schnell an neue Situationen anzupassen – eine Eigenschaft, die ihm in seiner bisherigen Karriere bereits oft zum Erfolg verholfen hat.
Die Begegnung mit Cobolli wird ein Test für Svajdas mentale Stärke sein, aber angesichts seines ungewöhnlichen Weges und der emotionalen Tiefe dieses Sieges für seinen Vater, darf man ihn keinesfalls unterschätzen.
