Super league: wer räumt auf – und wer steuert ab?
Während der FC Thun bereits die Meisterprämien in greifbarer Nähe wähnt, kämpfen die anderen Klubs der Super League mit Problemen, die weit über die üblichen saisonalen Schwankungen hinausgehen. Nach der Länderspielpause werfen wir einen kritischen Blick auf die grössten Baustellen der zwölf Teams – von der katastrophalen Chancenverwertung bis hin zu fragwürdigen taktischen Entscheidungen.
Winterthur: der torflaum ist alarmierend
Der FC Winterthur, abgeschlagen am Tabellenende, hat mit nur 34 Treffern die schwächste Offensive der Liga. Das letzte Spiel gegen Basel, in dem sie zwar die besseren Chancen hatten, verdeutlicht auf schmerzhafte Weise die Probleme im Abschluss. Es ist schlichtweg nicht genug, um in der Super League zu bestehen. Die Eulachstädter müssen dringend an ihrer Effizienz arbeiten, sonst winkt der Abstieg.

Gc: mentaler tiefpunkt
Der Abgang von Trainer Gerald Scheiblehner war kein Überraschungspaket, sondern das Eingeständnis einer tiefgreifenden Krise beim Grasshopper Club. Die Hoppers sind die formschwächste Mannschaft des Jahres und haben als einziges Team der Super League noch keinen Rückstand in einen Sieg verwandeln können. Ein Mentalitätstrainer hat während der Pause offenbar alle Hände voll zu tun – die Spieler müssen dringend eine neue Einstellung finden, um den Abwärtstrend zu stoppen. Der knappe Sieg gegen Thun mit 1:0 war ein erster, zaghafter Schritt in die richtige Richtung, aber es bleibt viel zu tun.
Der FC Zürich steht in der Fairnesstabelle abgeschlagen auf dem letzten Platz – ein Armutszeugnis für die Disziplin im Verein. Dennis Hediger muss jetzt handeln und die Mannschaft in den Griff bekommen, denn ständig ausgefallene Spieler durch Sperren schwächen die Kontinuität.

Lausanne-sport: die heimheimat wird zur zitterpartie
Auch der FC Lausanne-Sport hat mit einer erschreckenden Heimschwäche zu kämpfen. In 15 Spielen konnten gerade mal 17 Punkte geholt werden – zu wenig, um überhaupt an die Championship Group zu denken. Die Fans sehnen sich nach einem Sieg, der seit sieben Spielen ausbleibt.

Servette: auswärtsschwäche bremst die ambitionen
Bei Servette liegt das Problem klar auf der Ausenseite. Nur ein Sieg aus sieben Auswärtsspielen zeigt, wie groß die Probleme sind. Mario Frick muss hier dringend eine Lösung finden, wenn die Ambitionen in die Championship Group erfüllt werden sollen.

Luzern: der abschied von frick ist besiegelt
Die Trennung von Mario Frick nach fünf gemeinsamen Saisons in Luzern ist offiziell. Wer wird sein Nachfolge antreten? Diese Frage beschäftigt die Verantwortlichen nun mit Hochdruck, denn sportlich gibt es für die Zentralschweizer kaum noch viel zu erreichen.

Yb: defensive wie ein spong
Die Young Boys enttäuschen in dieser Saison auf ganzer Linie. Die Defensive ist schlichtweg eine Katastrophe – mit 56 Gegentoren mehr als jedes andere Team in der Top 6. Gerardo Seoane muss hier dringend Hand anlegen, um die Europaleague-Qualifikation nicht zu gefährden.
Der FC Sion hat das Ziel Top 6 erreicht, doch ein größerer Siegerwille hätte die Tabelle noch rosiger gestalten können. 13 Remis – das ist ein Wert, der für einen Ligaverband ungewöhnlich ist.
Lugano kämpft zwar um Europa, aber die aktuelle Form ist besorgniserregend. Von den Top 6 Teams haben in den letzten fünf Spielen nur die Tessiner so wenige Punkte geholt.
Basel: die konstanz fehlt
Der amtierende Meister wird den Titel nicht verteidigen können – die Leistungsschwankungen sind schlichtweg zu groß. Stephan Lichtsteiner steht vor einer enormen Aufgabe, um für mehr Stabilität im Team zu sorgen. Der dritte Platz und die damit verbundene Europa-Qualifikation sind das erklärte Ziel, aber dafür ist Konstanz unerlässlich.
Und dann ist da noch der FC Thun – der designierte neue Schweizer Meister. Ein Märchen, das selbst Hollywood nicht besser hätte inszenieren können. Offiziell wurden zwar noch keine Meisterprämien ausgehandelt, aber das ist nur Formsache. Der Aufsteiger hat sich in dieser Saison einen Platz in den Geschichtsbüchern gesichert.
