Südkurve attackiert bfv: „meister müssen aufsteigen!“

Eine 20-Meter-Leinwand, schwarz-rot-gold, zerreißt den Samstag-Abend in der Allianz Arena. „Meister müssen aufsteigen! BFV-Privileg eigener Regionalliga abschaffen“, steht darauf – und schlägt eine Wunde auf, die seit zwölf Jahren offen blutet. Während die Bayern gegen Union Berlin zur Gala auffahren, erklärt die Südkurve dem eigenen Landesverband den Krieg.

Die Szenerie ist bemerkenswert: 75 000 Zuschauer, 4:0-Kantersieg, Müller jubelt, Musiala zaubert – und trotzdom lautet die zweite Halbzeit-Botschaft aus Block 112: Lieber BFV, wir sind dir auf der Spur. Der Bayerische Fußball-Verband, größter Landesverband im DFB, hält seit der Regionalliga-Reform 2012 die Bayern-Staffel fest in der Hand. Das verspricht Prestige, TV-Gelder, Derbys – aber eben keine Aufstiegsgarantie.

Warum der meister der regionalliga bayern stillsteht

Der Tabellen-Erste darf am Ende der Saison nur hoffen. West- und Südwest-Meister steigen fix auf. Zwischen Nord, Nordost und Bayern wird jedes Jahr neu gelost, wer den direkten Durchmarsch erhält und wer in das Playoff-Hamsterrad springt. Das ergibt eine 33-prozentige Lotterie, die Spieler, Trainer und Fans seit Jahren verärgert.

Die Zahlen sind eindeutig: In zwölf Jahren schaffte nur die Hälfte der bayerischen Meister den Sprung in die 3. Liga. 2023 verpasste es Bayern II, 2022 gab’s für Schweinfurt den K.o. gegen Tennis Borussia, 2017 scheiterte der FCB erneut. „Jede Saison dieselbe Demontage der Leistung“, schimpft Daniel, Organisator des Banners, gegenüber TSV Pelkum Sportwelt. „Wir wollen Fairness, keine Sonderrechte.“

Der BFV kontert mit dem Argument der Struktursicherung. Eine eigene Liga erhalte den Amateurbereich, stärke die Basis, verhindere Fahrten nach Zwickau oder Rostock. Klingt gut, verblasst aber angesichts leerer Ränge in der Regionalliga. Im Schnitt kommen 610 Zuschauer – dabei zählt der Verband 1,7 Millionen Mitglieder.

Die lösung liegt auf dem tisch – und verstaubt

Die lösung liegt auf dem tisch – und verstaubt

Im August 2024 gründete der DFB eine Arbeitsgruppe. Vier statt fünf Staffeln, zwei feste Aufsteiger pro Zone, Playoff nur noch für den letzten Platz – das Papier liegt seit Monaten in Frankfurt. Doch die Länder blockieren. Bayern will seine Insel behalten, Hamburg fürchtet zusätzliche Reisekosten, Berlin schiebt Bedenkenträger vor.

Die Folge: ein Stillstand, der Talente bremst. „Junge Profis brauchen Perspektive, keine Rhetorik“, sagt ein Scout der Bundesliga, der seinen Namen nicht in den BFZ-Präsidialbericht bringen will. Für ihn ist klar: „Wenn der Meister unten nicht belohnt wird, verlieren wir Spieler an Österreich oder die NLZ-Konkurrenz.“

Die Fans zeigen sich unbeeindruckt von internen Polit-Talks. In den sozialen Kanälen kursiert bereits das nächste Banner-Design: eine Bayern-Fahne mit durchgestrichenem BFV-Logo. Die Aktion erreicht nicht nur München. Auch in Dortmund, Leipzig und Kiel fordert die Kurve einheitliche Aufstiegsregeln. Die Bewegung wird lauter – und könnte zur kommenden DFB-Pleitenserie die entscheidende Begleitmusik liefern.

Die Partie endet 4:0, die Meinung steht 1:0 für die Südkurve. Wenn der DFB-Kongress im Dezember tagt, liegt ein Fan-Seziermesser auf dem Tisch. Keine Frage, nur Fakt: Solange der Meister unten auf der Strecke bleibt, wird der Protest oben nicht verstummen.