Sturz-drama in drammen: rydzek fliegt raus, kläbo bleibt liegen

Es war der Tag der zweiten Sieger und der, die plötzlich auf dem harten Eis lagen. Im norwegischen Drammen riss die alte Regel an: Wer zuletzt lacht, lacht nicht immer. Coletta Rydzek, Bronze von Peking, rutschte in die Zielkurve und hinaus ins 26. Nichts blieb von ihrem Schwung vom Samstag in Lahti, als sie noch Dritte wurde. Nichts außer einem Schreckmoment, der sich in die Netzhaut brennt.

Die Szene dauert keine zwei Sekunden. Iris de Martin Pinter und Linn Svahn touchieren sich, Svahn klappt um, Rydzek kommt von hinten, kann nicht mehr bremsen. Drei Skistöcke fliegen, ein Bein verfängt sich, alles rotiert. Svahn rappelt sich auf, sprintet noch auf Platz zwei. Rydzek bleibt sitzen, schlägt mit der Faust ins Eis, fährt zur Kontrolle in die Kabine. Laura Gimmler, ihre Team-Partnerin von Olympia, kommt ins Finale und wird Fünfte – vier Sekunden hinter Jonna Sundling, die den Slalomkurs beherrscht wie eine Skating-Bahn.

Kläbo trifft den schnee mit dem hinterkopf

Kläbo trifft den schnee mit dem hinterkopf

Keine zehn Minuten später der nächste Aufschlag. Johannes Hösflot Kläbo, der Mann mit den 111 Weltcupsiegen, will die 112. Er presst sich an Bend Ogden vorbei, doch der US-Boy fällt. Kläbo kippt mit, landet auf dem Hinterkopf, der Sturzhelm klatscht laut auf das Eis. Schiedsrichter sprinten herbei, ein Betreuer nimmt ihn unter den Arm. Elfter Platz, Saisonziel „kleine Kristallkugel“ trotzdem sicher – weil die Konkurrenz fehlt. Die Trophäe kommt ohne Sieg, mit blauem Fleck.

Ansgar Evensen nutzt das Vakuum. Der 24-jährige Norweger schlängelt sich durch ein Finale, in dem die Top-5 der Quali fehlen, und feiert seinen ersten Weltcup-Sieg. Jan Stölben wird 23., bester Deutscher. Die Fans jubeln trotzdem – sie haben gesehen, wie schnell Ruhm in einem Zentimeter Spur versinkt.

Die Bilanz des Tages: zwei Stürze, zwei Ausgeschiedene, ein verletzter Superstar und eine Kristallkugel, die niemand so richtig in die Luft reißen will. Drammen bleibt der Ort, an dem die Skispur plötzlich endet – und die Saison trotzdem weiterläuft.