Stroppa: 'wir sind keine kategorie – venezia will überraschen!'

Venedig – Giovanni Stroppa, der Coach des aufstrebenden Venezia FC, hat im Interview klare Worte gefunden. Er weist jegliche Einordnung nach Liga-Kategorien entschieden zurück und kündigt an, dass sein Team alles daran setzen wird, in der Serie A für Furore zu sorgen. Der Aufstieg ist erst der Anfang.

Keine etiketten, sondern ergebnisse

Die Debatte um die vermeintlichen Klassenunterschiede im italienischen Fußball, oft angeführt, wenn etablierte Trainer wie Max Allegri über die Leistung von Spielern und Trainern sprechen, will Stroppa nicht gelten lassen. Er betont, dass jede Mannschaft ihre eigene Geschichte und ihren eigenen Weg hat. “Ich muss nichts beweisen,” erklärt Stroppa selbstbewusst. “Ich stehe seit Jahren am Spielfeld und bin sehr entspannt. Ich trainiere nicht nach Kategorien, sondern nach meinen Überzeugungen und der Qualität meiner Arbeit.” Die Zahlen der letzten acht bis zehn Jahre, so Stroppa, sprechen für sich.

Besonders hervorzuheben ist, dass Stroppa bereits viermal den Aufstieg in die Serie A gemeistert hat, zuletzt mit Venezia. Doch anstatt ihn als den “Aufstiegskönig” zu betiteln, möchte er sich auf die aktuelle Herausforderung konzentrieren. Seine Philosophie, die auf einem klaren Fußballverständnis basiert, hat bereits mehrfach Früchte getragen – von Cremonese über Monza bis hin zu Foggia.

Das venezia-modell: mehr als nur ein aufstieg

Das venezia-modell: mehr als nur ein aufstieg

“Es gibt eine sehr starke Idee von Fußball, die mich zu diesen Ergebnissen geführt hat,” so Stroppa. “Die Promotion ist lediglich das Ergebnis. Es spiegelt eine Arbeitsweise wider, die in der Serie B genauso gilt wie in der Serie A.” Ein Zitat seines Sportdirektors, Filippo Antonelli, fasst Stroppas Philosophie treffend zusammen: “Venezia hat keine Kategorie.” Diese Aussage teilt Stroppa und betont, dass sein Team sich nicht mit anderen messen werde, die deutlich höhere Investitionen getätigt haben.

“Wir müssen uns nicht mit dem Como vergleichen. Wir sind einfach anders,” sagt Stroppa deutlich. Der Fokus liegt auf der Weiterentwicklung des Teams, dem Ausbau des Sportzentrums und dem Bau eines neuen Stadions – ein Zeichen des Ambitionsgeists des Vereins.

Ein spielstil, der überzeugt – und sich weiterentwickelt

Ein spielstil, der überzeugt – und sich weiterentwickelt

Obwohl Stroppa für einen offensiven Spielstil bekannt ist, der Venezia in der vergangenen Saison begeisterte, räumt er ein, dass Anpassungen für die Serie A notwendig sind. “Meine Idee von Fußball hat Venezia, aber auch Cremonese, Monza und Crotone gezeigt,” erinnert er. “Aber wir müssen ausbalanciert sein. Die Zahlen beweisen, dass meine Mannschaften immer ein Gleichgewicht zwischen Offensive und Defensive gefunden haben.”

Ein einzelner Starspieler gibt es in Stroppas Team nicht. “Alle waren Protagonisten. Oft waren es diejenigen, die weniger gespielt haben, die den Unterschied gemacht haben.” Er lobt zudem die Entwicklung seiner Spieler: “Ich wusste, dass ich ein starkes Team trainiere, und meine Erwartungen wurden übertroffen. Jeder Spieler hat sich in dieser Saison verbessert.”

Die neue Herausforderung in der Serie A erfordert verstärkte individuelle Qualitäten und weniger Fehler. “Wir müssen weniger Fehler machen und taktisch klüger agieren. Das mag banal klingen, aber es ist entscheidend, wenn man gegen Mannschaften antritt, die eine klare Identität und individuelle Stärke besitzen.”

Stroppa blickt optimistisch in die Zukunft. “Wir müssen unsere Erwartungen anpassen und jeden Bereich des Clubs verbessern. Das gilt für mich genauso wie für alle anderen.”

Die wurzel des problems: defizite im nachwuchsbereich

Die wurzel des problems: defizite im nachwuchsbereich

Bei der Frage nach den strukturellen Problemen des italienischen Fußballs zeigt sich Stroppa unnachgiebig: “Im Jugendbereich wird viel zu schlecht gearbeitet. Es fehlt an Kompetenz, Ressourcen und qualifizierten Trainern. Oft wird der Jugendbereich als Sprungbrett für die Profi-Trainerkarriere betrachtet, anstatt als Ort, an dem junge Spieler wachsen und sich entwickeln können.”

Sein Fazit ist klar: Venezia will überraschen und die etablierten Kräfte der Serie A herausfordern – mit einer klaren Spielphilosophie und einem unerschütterlichen Glauben an die eigene Stärke. Der Aufstieg ist nur der Auftakt einer neuen Ära.