Strelow zurück, fichtner auf revanche: dsv-juwel jagt estlands pokale
Otepää knirscht im kalten Wind. Vom 12. bis 15. März wird Estlands verschneiter Wald zum Schauplatz der vorletzen Weltcup-Runde – und zum Revier eines deutschen Teams, das sich selbst beweisen muss. Der Grund: Kontiolahti brennt noch in den Knochen. Marlene Fichtner lief dort zwei Top-5-Plätze her, stolz wie lange nicht. Dann kam der Staffel-Crash: Regelverstoß, Zwei-Minuten-Zusatz, Rang 16. Historisch schlecht. Jetzt zählt nur Wiedergutmachung.
Die nationenwertung wird zur nagelprobe
Deutschland taumelt mit 4.759 Punkten auf Platz fünf. Finnland (4.668) und Tschechien (4.666) atmen im Nacken des DSV. Felix Bitterling, Sportdirektor, formuliert das Kalkül klar: „Rang fünf verteidigen, sechs Startplätze sichern – mehr gibt’s nicht zu diskutieren.“ Ein Ausrutscher in Otepää und der Verband rutscht auf sieben Startrechte für 2025/26 – ein Verlust, den sich das starke deutsche Nachwuchslager nicht leisten kann.
Die Mathematik ist gnadenlos: 91 Punkte Vorsprung auf Finnland, 93 auf Tschechien. Ein verschossener Schuss kann also über Saisonpläne entscheiden. Die Athleten spüren den Druck, doch sie kennen auch die Chance. Wer hier punkten will, muss treffen – und schnell laufen. Die Otepää-Bahn gilt als anspruchsvoll: harte Steigungen, enge Kurven, Windböen, die die Schneekristalle wirbeln lassen.

Strelow meldet sich zurück – und kink rückt nach
Gute Nachrichten gibt’s trotzdem: Justus Strelow steht wieder am Start. Der 29-jährige Sprint-Spezialist hat den kleinen Fingerheilungs-Modus hinter sich und will seine Saison-Zeitjagd fortsetzen. Bei den Frauen kehrt Julia Kink in den Kader zurück. Die 24-Jährige zeigte sich zuletzt im IBU-Cup in souveräner Form und könnte frischen Wind bringen. Für sie rückt Anna Weidel zunächst raus – Krankheitsbedingt. Das Ziel: Oslo fit. Bis dahin tragen Selina Grotian, Janina Hettich-Walz, Julia Tannheimer und Vanessa Voigt die Fahnen.
Die Männer komplettieren Lucas Fratzscher, Philipp Horn, Philipp Nawrath, Leonhard Pfund und David Zobel. Das Aufgebot wirkt ausgeglichen – altbekannte Stabilität plus Comeback-Impetus. Die Frage ist nur: Reicht das, um die Nationenwertung zu halten? Otepää wird’s zeigen. Die letzten Schüsse fallen am Sonntag. Dann entscheidet sich, ob Deutschland mit breiter Brust nach Oslo reist – oder mit zittrigen Knien.
