Stolz stampft zum titel, der debacle wird zur farce
Heerenveen – 21 Jahre alt, zwei olympische Golds, jetzt kurz vorm Weltmeister-Imperium: Jordan Stolz hat den Vierkampf nach dem ersten Tag angeführt, als hätte er Friesland gemietet. 500 m in 34,43 s – keiner war schneller. 5 000 m in 6:25 min – Platz elf, aber das reicht, wenn man vorher schon alles zerlegt.
Die US-Boy-Crew um Ex-Haudegen Eric Heiden schaut staunend zu. Stolz’ Vorsprung auf Sander Eitrem und Peder Kongshaug ist mager – 0,33 Sekunden Gesamtpunkte –, aber psychologisch riesig. Denn der Amerikaner mit deutschen Großeltern spielt nicht mehr nur Tempo, er spielt Druck.
Der deutsche eislauf steckt im tiefschnee
Während Stolz lacht, kocht im deutschen Lager die Wut. Gabriel Groß, bayerischer Olympia-Debütant und Sohn von Biathlon-Legende Ricco Groß, landet auf Rang zehn – ein Alibi-Ergebnis. Dahinter folgt eine Wüste: Stibenz 19., Rudolph 22. Die deutschen Farben verblassen, seit Felix Maly und Fridtjof Petzold ihre Startplätze sausen ließen. Petzold wurde suspendiert – wegen öffentlicher Kritik an der DESG. Maly trat zurück – aus Solidarität. Der Verband reagiert mit Sonderbeauftragten statt mit Konzepten.
Der Thialf-Tempel grollt. Die Zuschauer wollen Spektakel, bekommen aber nur noch ein Drama mit offenem Ende. Marijke Groenewoud führt bei den Frauen souverän, Miho Takagi und Ragne Wiklund lauern. Lea Sophie Scholz und Josie Hofmann sind außer Reichweite – 16. und 19., das klingt wie ein Schreibfehler.
Am Sonntag fallen die Entscheidungen: 1 500 m um 14.16 Uhr, 10 000 m um 16.06 Uhr. Wer Stolz stoppen will, muss entweder Eitrem mit Raketenstart oder Kongshaug mit eiserner Lunge ausstatten. Die Zahlen sprechen für den Amerikaner: In dieser Saison verlor er kein einziges Mehrkampf-Rennen über 1 500 m. Wer ihn einholen will, muss an die Weltspitze – und das ist momentan 1,7 Sekunden weit weg.
Die deutsche Hoffnung heißt nicht mehr Podest, sondern Anstand. Sportdirektorin Anni Friesinger versprach „transparente Aufarbeitung“. Bis dahin bleibt nur ein Satz, der durch die Eishalle hallt: Stolz ist nicht nur ein Name, er ist ein Statement. Und er wird lauter, je leiser der deutsche Verband wird.
