Stöckli schlägt zurück: schweizer ski-sensation in garmisch versetzt weltcup in ekstase

Neun Zehntel. So viel fehlte Stefan Rogentin auf Fischer-Ski zum Podest. Auf Stöckli-Ski dagegen fehlte nichts. Marco Odermatt und Alexis Monney schrieben in Garmisch Geschichte – und mit ihnen einst als „Schweizer Militärski“ verspottete Marke.

Der Dreifach-Sieg der Eidgenossen in der Königsdisziplin war nicht nur sportlicher Knaller. Er war Schlusspunkt einer 25-jährigen Berg- und Talfahrt.

Wie ein kleiner hersteller die speed-hegemonie der grossen kippte

Walter Reusser, heute CEO von Swiss-Ski, erinnert sich an Zeiten, als Stöckli Athleten Geld bieten musste, nur damit sie eine Testfahrt wagten. „Die wollten unsere Speed-Ski nicht anbinden“, sagt er. Dabei hatte die Marke nach ersten Riesenslalom-Erfolgen Mitte der 90er den Blick Richtung Abfahrt gewagt.

Doch die Pisten blockierten. Head, Atomic, Rossignol – sie alle hatten die Oberhand. Bis Andrej Jerman 2007 in Garmisch die Initialzündung gab. Erster Weltcup-Sieg für Stöckli in der Abfahrt. Ein Schneeball begann zu rollen.

2010 schnallte sich ein 13-jähriger Junge aus Buochs erstmals Stöckli-Ski unter die Füsse. Marco Odermatt. Sein Jugendrennen in Einsiedeln. Seither fährt er keine andere Marke mehr. Alexis Monney, Sohn des ehemaligen Didier-Cuche-Trainers Louis Monney, ebenfalls. Beide gingen durch dieselbe Nachwuchs-Schmiede. Beide trugen heute die gleichen Ski über die Kandahar-Mauer.

Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. In der Stöckli-Werkstatt am Zürichsee entstanden in den letzten Jahren neue Flex-Streben, modifizierte Holzkern-Kombinationen, ein Titanal-Layout, das bei hohen Geschwindigkeiten die Kanten haften lässt wie Klettverschluss. Details, die sich in Sekundenbruchteilen summieren.

Die marke, die einst gelacht wurde, lacht zuletzt

Die marke, die einst gelacht wurde, lacht zuletzt

Vincent Kriechmayr auf Head-Ski: +1,04 Sekunden. Giovanni Franzoni auf Rossignol: +1,12 Sekunden. Die Konkurrenz schaut auf Zeiten, die sie sonst nur von eigenen Athleten kennt. Stöckli-Chef Peter Hilber liest die Zahlen mit kühlem Blick. „Wir haben 25 Jahre dafür gearbeitet.“

Die Ski-Welt spricht von einem „Meilenstein“. Für Reusser ist es Genugtuung. Für Odermatt und Monney erst der Anfang. Ihre Siege in Garmisch sind keine Einzelfälle mehr, sondern Manifest eines neuen Machtverhältnisses. Und die Saison ist noch lang.

Während die Konkurrenten nun ihre Testprotokolle überdenhen, rollt in der Schweiz bereits die nächste Charge Speed-Ski vom Band. Der Krieg um Hundertstel geht in die nächste Runde. Stöckli hat sich gerade erst warm gefahren.