Stiller rast in die startelf: nagelsmanns heißer retter vor wm-crash

Angelo Stiller war abgeschrieben, nun soll er den deutschen Mittelfeld-Motor gegen die Schweiz anschrauben. Die Nicht-Nominierung vom Dienstag kippte binnen Stunden – ausgerechnet der VfB-Regisseur darf im St.-Jakob-Park beweisen, dass Julian Nagelsmanns ursprünglicher Verzicht ein Schnitzer war.

Ein anruf, der alles ändert

Mittwoch, 17:43 Uhr. Stillers Handy leuchtet auf, das Display zeigt „Nagelsmann“. Der Bundestrainer spricht knapp drei Minuten, Stiller nickt, legt auf und packt den Koffer. Pavlovics Muskelbündelriss und Nmechas Syndesmose haben die Tür zur Nationalmannschaft wieder aufgerissen, doch der Stuttgarter bekommt nicht nur einen Stammplatz in der 23er-Liste – er rückt direkt in die erste Elf. „Wir brauchen keinen Ersatzmann, wir brauchen einen Spieler“, sagt Nagelsmann und meint damit, dass Stiller entweder gleichwertig startet oder gar nicht mitfliegt.

Die Fußball-Welt schaut verdutzt: Erst fehlte Stiller komplett, nun darf er neben Goretzka das Sechser-Doppel bilden. Ein Umdenken? Taktisch war Stiller schon beim 5:2 in Augsburg der Dreh- und Angelpunkt: 94 Ballaktionen, 87 % Passquote, fünf Ballgewinne im gegnerischen Drittel – Zahlen, die Nagelsmanns Scouting-Abteilung nachträglich auf den Chef-Tisch flatterten.

Die schweiz als schicksalsspiel

Die schweiz als schicksalsspiel

Für den 24-Jährigen ist Basel mehr als ein Test. Es ist die Bühne, auf der er seine WM-Tauglichkeit unter Beweis stellen muss. Denn hinter den Kulissen sickert durch: Sollte Stiller morgen glänzen, plant das Trainerteam intern, ihn im Turniermodus als Alternativ-8er neben Kimmich und Musiala einzusetzen – ein Szenario, das vor einer Woche noch undenkbar war. Gegen die Schweiz, die mit Freuler und Xhaka auf aggressive Balleroberung setzt, kann Stiller zeigen, dass er auch unter Druck die Spielanleitung übernimmt.

Die Uhr tickt. In 71 Tagen eröffnet Deutschland die WM in Los Angeles gegen Marokko. Wer heute überzeugt, fliegt im Sommer nach Kalifornien. Wer enttäuscht, darf im September wieder Bundesliga gucken. Für Stiller heißt das: 90 Minuten, null Netz, maximaler Einsatz. Der VfB-Profi selbst schwieg gestern nur einmal: Als ihn ein Reporter fragte, ob er sich durch die Nicht-Nominierung motiviert fühle. Stiller lächelte, zog die Kappe tiefer in die Stirn und sagte: „Ich fahre nicht nach Basel, um Dankbarkeit zu zeigen. Ich fahre hin, um zu bleiben.“

Die Message ist klar. Stiller will kein Notnagel sein, sondern Nagelsmanns heimlicher Generalsekretär im Mittelfeld. Und wenn er gegen die Schweiz die Kroos-Schuhe in die Ecke stellt, wird aus dem Schnellschuss-Nachrücker ein Fixpunkt. Dann nämlich winkt nicht nur die WM-Ticketschere – sondern eine Startelf, die vor zwei Tagen noch Utopie war.