Stellantis krempelt poissy um: vom automobilwerk zum recycling-zentrum
Poissy, einst eine Hochburg der französischen Automobilproduktion, erlebt einen tiefgreifenden Wandel. Stellantis hat den Schlussstrich unter die Fahrzeugfertigung am Standort gezogen und plant eine Umstrukturierung, die das Werk in ein Kompetenzzentrum für Komponentenherstellung und Fahrzeugrecycling verwandeln soll. Ein Umbruch mit weitreichenden Folgen für die Region und die Beschäftigten.
Ein historischer wandel für die region
Die Entscheidung von Stellantis, das traditionsreiche Werk in Poissy, das 1938 seine Pforten öffnete, zu schließen, ist ein Schock für die Arbeiter und die gesamte Region Île-de-France. Das Werk, das zuletzt den DS und den Opel Mokka produzierte, war einer der letzten Automobilproduktionsstandorte in der Region und beschäftigte einst bis zu 27.000 Menschen. Derzeit sind noch 1.580 Mitarbeiter im Einsatz, doch im Jahr 2030 soll die Zahl auf rund 1.000 sinken. Die Umstrukturierung wird mit Investitionen in Höhe von 100 Millionen Euro finanziert und soll den Standort langfristig sichern.
Die französischen Medien reagierten mit Schlagzeilen wie „Poissy, Symbol des Niedergangs der französischen Autoindustrie“ und „Der langsame Niedergang des französischen Autos“. Die Entscheidung von Stellantis wird als ein weiteres Kapitel in der Geschichte des industriellen Wandels in der Pariser Region gewertet. Die Schließung reiht sich ein in eine Reihe ähnlicher Ereignisse, darunter der Konkurs von Renault in Boulogne-Billancourt im Jahr 1992 und PSA in Aulnay-sous-Bois im Jahr 2014. Auch die Renault-Fabrik in Flins wurde vor zwei Jahren stillgelegt.

Nachhaltigkeit und innovation im fokus
Doch die Zukunft von Poissy sieht nicht düster aus. Eric Haan, der Werkleiter, betont, dass das Werk in eine „neue Ära der nachhaltigen Industrie“ eintreten wird. Der Fokus liegt nun auf vier Säulen: Produktion von Automobilkomponenten für Neufahrzeuge und den Aftermarket, ein neuer Abbau-Bereich für Teile und Komponenten im Rahmen der Kreislaufwirtschaft, die Vorbereitung von Spezialfahrzeugen, einschließlich Sondermodelle und Rennprogramme, sowie die Umrüstung von leichten Nutzfahrzeugen und Flottenfahrzeugen. Ein besonderes Augenmerk wird auf die 3D-Drucktechnologie gelegt, um in kleinen Auflagen und für Forschungs- und Entwicklungszwecke Prototypen herzustellen.
Stellantis kooperiert zudem mit Microsoft, um die Integration künstlicher Intelligenz in Fahrzeuge und Geschäftsprozesse voranzutreiben. Dies soll die Effizienz steigern und neue Möglichkeiten für die Fahrzeugwartung und -optimierung eröffnen. Die Umstrukturierung wird in enger Abstimmung mit den Sozialpartnern erfolgen, wobei auf freiwillige Abgänge und Pensionierungen Wert gelegt wird, um einen sanften Übergang zu gewährleisten.
Das Unternehmen betont, dass die Umwandlung von Poissy eine Bestätigung der verantwortungsvollen Sozialpolitik von Stellantis sei. Die Entscheidung, die Produktion in Poissy einzustellen, ist ein deutliches Zeichen der Zeiten: Die Automobilindustrie befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, hin zu Elektromobilität, autonomem Fahren und neuen Geschäftsmodellen. Poissy soll nun Teil dieser Transformation sein und seine Stärken in den Bereichen Nachhaltigkeit und Innovation nutzen, um eine führende Rolle im neuen Automobilzeitalter zu spielen.
