Steffan und janse van rensburg fegen ins wm-finale – nach mailand-desaster
Prag – 71,02 Punkte, kein Patzer, dafür ein Kloß im Hals: Benjamin Steffan und Jennifer Janse van Rensburg haben sich beim Rhythmus-Tanz in Prag für das WM-Kür-Finale qualifiziert und damit die erste Antwort auf die Olympia-Blamage von Mailand gegeben. Die fünfmaligen deutschen Meister starteten als 17. ins Rennen – nicht mehr ganz vorne, aber mit dem Selbstbewusstsein zurück, das sie monatelang vermissen ließen.
Die saison, die krank machte
Steffan atmete tief durch, als die Zahl an der Anzeige auftauchte. „Es war eine Saison mit Höhen, aber leider auch mit Tiefen“, sagte er und spielte auf den EM-Rückzieg wegen Erkrankung an. Januar abgesagt, Februar verpasst, März neu gemacht. Die Oberstdorfer trainierten im Stillstand, während ihre Konkurrenten sich bei Continental-Cups warm tanzten. Die Folge: Rang 20 in Mailand, das schlechteste Olympia-Ergebnis eines deutschen Paares seit 2006.
Jetzt das Gegenteil: flüssige Twizzles, saubere Kantenwechsel, ein Lächeln, das nicht verkrampft wirkte. Die Franzosen Laurence Fournier Beaudry und Guillaume Cizeron liegen mit 92,74 Punkten unangefochten vorne, doch für Steffan zählt erst einmal das eigene Revier. „Wir wollten nur zeigen, dass wir noch können“, sagte er, und man glaubt ihm, weil er es gerade eben bewies.

Samstagabend ist alles drin – oder nichts
20 Paare tanzen um die Medaillen, die deutschen Außenseiter sind dabei. Ein Podestplatz bleibt Fiktion, aber das ist nicht der Maßstab. Der Maßstab heißt: Vergessen, was war. Mailand war ein Filmriss, Prag ist die Rückkehr in die Realität. Wer weiß, wie viele Zuschauer im O2 Arena-Parkett sitzen, die nur kommen, um zu sehen, ob das deutsche Eispaar wieder lächeln kann. Die Antwort lautet: ja. 71,02 Punkte lang.
Die Kür beginnt am Samstag um 19.30 Uhr. Dann wird das Paar, das vor drei Monaten noch Fieber hatte, noch einmal die Musik aufdrehen – und vielleicht sogar die Heimreise mit der Gewissheit antreten, dass die Saison doch noch ein Happy End findet. Kein Titel, kein Podest, aber ein Schritt zurück ins Licht. Manchmal reicht das.
