St. tönis träumt vom fc bayern: fünftligist wartet auf das los
Der SC St. Tönis hat das Finale der Niederrheinliga zwar mit 1:4 gegen den MSV Duisburg verloren – und trotzdem jubeln Spieler, Fans und Funktionäre. Denn der Fünftligist steht erstmals in der ersten Runde des DFB-Pokals. Eine Niederlage, die wie ein Triumph schmeckt.
„Bayern wäre der wahnsinn“
Am Samstagmittag schalten die Blau-Weißen die Sportschau ein. Stürmer Morten Heffungs lacht, als er die Frage nach seinem Traumgegner hört: „Gladbach, Dortmund – klar. Aber wenn der FC Bayern kommt, krieg ich die Krise.“ Kein Witz: Die Elf aus dem kleinen Stadtteil von Krefeld könnte tatsächlich gegen die Stars von Vincent Kompany ran müssen.
Die Wahrscheinlichkeit steigt, weil der SC als niedrigstklassiger Teilnehmer gesetzt ist und Top-Klubs automatisch auf Außenseiter treffen. Die DFB-Regeln sind gnadenlos: Erst- und Zweitligisten sind Pflicht, Platzregelungen ebenfalls. Heimspiel? Fehlanzeige. Der Sportpark St. Tönis bietet nur 2.800 Zuschauern Platz – zu wenig für die Anforderungen der Uefa-Kategorie. Die Lösung: Grotenburg-Stadion in Krefeld oder direkt die MSV-Arena, wo sie vor drei Tagen noch das Finale verloren haben.

200.000 Euro schon jetzt auf dem konto
Die Teilnahme allein bringt mindestens 200.000 Euro. Für einen Verein mit gerade einmal 400 Mitgliedern eine Summe, die die gesamte Saisonplanung verschiebt. „Wir können endlich einen Profi-Goalkeeper verpflichten, den wir uns nie leisten konnten“, sagt Geschäftsführer Lukas Moes. Die Oberliga-Saison endete als Tabellenvierter, doch die Pokal-Prämie macht den Kader plötzlich größer als der Titel.
Trainer Bekim Castrati nutzt die letzten Trainingstage vor der Sommerpause, um seine Mannschaft auf ein mögliches 4-5-1 gegen Bayern einzustellen. Ironie des Schicksals: Der MSV Duisburg, der sie im Finale schlug, dürfte als Gastgeber für das Pokalspiel fungieren. Ein Derby auf fremden Rasen.
Die Uhr tickt. Noch 48 Stunden bis zur Auslosung. In St. Tönis steht bereits der Bierwagen bereit – ganz egal, ob es München, Dortmund oder ein Exoten-Klubs wird. Die Niederlage vom Sonntag ist längst vergessen. Hier zählt nur der nächste Kick, und der könnte die größte Überraschung des Pokals werden.
