Sprengel zittert, meier fliegt – dlv verlässt torun ohne medaille
Torun – Die Hallen-WM ist vorbei, und aus deutscher Sicht bleibt ein fader Beigeschmack. Sandrina Sprengel jagte im Fünfkampf-Finale die letzte Medaille, landete aber nur auf Rang acht. Die 22-Jährige musste sich mit 4.475 Punkten geschlagen geben – eine neue Bestmarke, aber 413 Zähler hinter Gold-Sofie Dokter aus den Niederlanden. Die deutsche Leichtathletik geht erstmals seit 2018 ohne Edelmetall aus einer WM heim.
Der tag, der wie ein traum begann und mit einem kratzer endete
Sprengel flog über die 60-m-Hürden in 8,40 s, legte sich das Feld zunächst zurecht. Dann kam der Hochsprung. 1,69 m – ein Wert, den selbst Nachwuchstalente in der U18 überbieten. Die Konkurrentinnen zogen auf 1,80 m davon, Sprengel blieb unten. Ihre Körpersprache verriet sofort: Das Rennen war gelaufen. Trotz starkem 800-m-Schlussakt (2:14,32 min) reichte es nicht für mehr als Platz acht.
Die Thüringerin nahm es mit Humor: „Ich wollte mit einem Lächeln rausgehen – das klappt.“ Die Grippe im Januar hatte ihr drei Wochen Training geraubt. Wer als Nr. 47 der Welt reist, darf sich überhaupt erst einmal freuen, dass die Quali klappte. Sprengel selbst spricht lieber von „Lernwettkampf“. Der Blick richtet sich bereits auf Birmingham: Bei der Sommer-EM will sie in den Medaillenkampf eingreifen.

Marlene meier liefert das kleine deutsche märchen
Positiver ging es für Marlene Meier über 60 m Hürden. Die 24-jährige Deutsche Meisterin stürmte mit 7,91 s ins Finale und biss sich dort auf 7,90 s fest – beides persönliche Rekorde. Rang sieben, dazu ein breites Grinsen. Weltrekord? Davon träumte sie nicht einmal. Devynne Charlton stoppte die Uhr bei 7,65 s, aber das war ein anderes Kapitel. Meier hatte ihren großen Auftritt und nutzte ihn.

Was bleibt: statistik und stimmung
14 deutsche Starter, kein Podium, dafür zwei Bestleistungen. Die Bilanz ist dünn, das Gesicht der Mannschaft aber jung. Sprengel und Meier zeigen: Es gibt Leben nach der Neugebauer-Ära. Die Frage ist nur, wie schnell der DLV die Talente in die Höhe treibt. In fünf Monaten steht Birmingham an – dann will keiner mehr bloß über persönliche Bestmarken sprechen, sondern über Medaillen. Die Uhr tickt.
