Sportboom erstickt: wartelisten gefährden zukunft der vereine

Die deutsche Sportlandschaft steht vor einem Dilemma: Während die Vereine Rekordmitgliederzahlen verzeichnen, droht ein Stillstand durch fehlende Infrastruktur und Personal. Michaela Röhrbein, DOSB-Vorständin, warnt eindrücklich vor einer „Generation Warteliste“ und fordert massive Investitionen, um den Sportbetrieb überhaupt am Laufen zu halten.

Die sportmilliarde kratzt nur an der oberfläche

Die sportmilliarde kratzt nur an der oberfläche

Röhrbein macht deutlich, dass die bisherigen Zuschüsse – 333 Millionen Euro aus der Sportmilliarde und weitere 250 Millionen für Schwimmbäder – bei Weitem nicht ausreichen, um den massiven Sanierungsbedarf zu decken. „Wir brauchen mindestens eine Milliarde Euro pro Jahr, um wirklich voranzukommen“, betonte sie im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Der Zustand vieler Sportstätten ist alarmierend, und die steigende Mitgliederzahl verschärft die Situation zusätzlich.

Der DOSB verzeichnet bereits jetzt 29,3 Millionen Mitglieder und erwartet für dieses Jahr den dritten Mitgliederrekord in Folge. Doch was nützt die Begeisterung für den Sport, wenn die Vereine gezwungen sind, neue Mitglieder abzuweisen? Viele Klubs haben bereits Aufnahmestopps verhängt, weil sie schlichtweg nicht mehr in der Lage sind, die Nachfrage zu bedienen. Die Folge: Kinder und Jugendliche müssen auf eine Aufnahme in ihren Lieblingsverein warten – eine „Generation Warteliste“, wie Röhrbein sie nennt.

Die Lösung liegt nicht nur in mehr Geld, sondern auch in mehr Engagement. Röhrbein appelliert daher an die Bevölkerung, sich ehrenamtlich zu engagieren, Trainingseinheiten zu leiten und den Betrieb in den Vereinen am Laufen zu halten. „Umso wichtiger ist es, dass diese Menschen, die ihre Zeit und Arbeitskraft unentgeltlich einbringen, dann auch die bestmöglichen Rahmenbedingungen erhalten“, so die DOSB-Vorständin. Denn ohne engagierte Trainer und Betreuer verliert der Verein seine Lebenskraft, egal wie viele Mitglieder er hat.

Die Situation ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Mit gezielten Investitionen und einem verstärkten Einsatz ehrenamtlicher Helfer kann die deutsche Sportlandschaft ihre Vitalität bewahren und den Sport für kommende Generationen attraktiv halten. Die Frage ist, ob die Politik und die Gesellschaft bereit sind, die notwendigen Schritte zu gehen, bevor die „Generation Warteliste“ ihre Hoffnung verliert.