Zwickau feiert europapokal-legende – und jagt schon den nächsten rekord

1500 Fans, zwei Trabis, ein Jubiläum und eine Mannschaft, die seit 26 Heimspielen nicht verloren hat: Der FSV Zwickau hat sich selbst gefeiert – und ist längst wieder auf dem Weg nach oben.

Am 17. märz 1976 schlug die bsg sachsenring celtic glasgow, heute schiebt der fsv zwickau die schulden unter eine million euro

Die Legendentafel am Westsachsenstadion erinnert an das 3:1 gegen die Schotten, damals Halbfinaleinzug im Europapokal der Pokalsieger. Was die Tafel nicht sagt: Ohne Robin Lenk gäbe es diesen Klub heute womöglich gar nicht mehr. Nach dem Drittliga-Abstieg 2023 stand der Traditionsverein mit drei Millionen Euro Verbindlichkeiten da, kein Trainer, nur ein Haufen Spieler. „Wir haben Scherben aufgesammelt und wieder zusammengefügt“, sagt Lenk, Sportdirektor und Retter in Personalunion.

Der Fanmarsch vom Stadionvorplatz zur „Halde“ führte über dieselbe Rasen, auf der einst Jürgen Croy stand. Der Europapokal-Keeper stieg aus dem Trabi, schüttelte Lenk die Hand und sagte: „Endlich wieder einer, der versteht, dass Erinnerung Zukunft ist.“ Croy ist 76, seine Handschuhe hängen im Klubmuseum, seine Handschrift steckt in dieser Mannschaft. Lenk holte mit Rico Schmitt einen Trainer, der Spieler nicht schont, aber auch nicht verheizt. Das Ergebnis: 26 Heimspiele ohne Niederlage, nur sieben Punkte hinter dem Tabellenzweiten, ein Spiel weniger in der Tasche.

Die rechnung geht auf: weniger schulden, mehr punkte

Die rechnung geht auf: weniger schulden, mehr punkte

Geschäftsführer André Beuchold drückt die roten Zahlen unter siebenstellig, Lenk drückt die sportliche Leistung nach oben. Beide wissen: Ohne die andere Hälfte wäre nichts davon möglich. „Wirtschaftliche Konsolidierung und sportliche Weiterentwicklung gehen Hand in Hand“, sagt Lenk, während er sich durch die Fanmenge kämpft. „Das hier ist kein Sieg der Mannschaft, das ist ein Sieg des Vereins.“

Die Fans feiern nicht nur die Vergangenheit, sie buchen schon den nächsten Rekord. Die 33 Heimspiele der Würzburger Kickers ohne Pleite stehen als nächstes Ziel auf der Liste. Lenk schmunzelt: „Wir haben auf dem Marsch schon nachgeschaut, wie viele es noch sind.“ Gleichzeitig warnt er: „Für ganz oben brauchen wir Konstanz – zuhause und auswärts. Wir lassen einfach noch zu viel liegen.“

Am Freitag kommt Hertha Zehlendorf, dann geht es nach Halle. Dort könnte Zwickau bis auf zwei Punkte an Platz zwei heranrücken. Lenk sagt: „Wir sind keine Träumer mehr, wir sind Realisten mit Tageszielen.“ Das größte davon: über 60 Punkte, Platz vier oder besser. Die Europapokal-Helden von 1976 schauten vom Tribünenrand und winkten. Sie wissen: Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie kann Ansporn sein. Und der sitzt tief in den Knochen der Schwäne.