Zverev zittert sich ins achtelfinale - cilic-showdown wird zur geduldsprobe
Christian Schneider in Miami. Alexander Zverev hat sich in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch mit allem gewappnet, was einen Top-Ten-Spieler ausmacht: mit Geduld, mit Power, mit einem fiesen Dreher im Ellbogen. Gegen Marin Cilic, den Ex-US-Open-Champ, brauchte er allerdings auch eine Portion Glück und 2:23 Stunden, ehe der 6:2, 5:7, 6:4-Sieg feststand. Der Deutsche steht im Achtelfinale von Miami – und spürt, dass die Hitze hier mehr ist als nur Wetter.
Warum cilic plötzlich ohne ärmel auftrat
Er kam halb ausgedruckt daher, der Kroate: ohne Ärmel, dafür mit Vollbart und Blick, als wolle er direkt zum Käfigtraining. Die Devise lautete: kühler machen, schneller werden. Doch schon das erste Game wurde zur Katastrophe. Doppelfehler, Vorhand ins Netz, Break. Zverev, der ohnehin 7:1 in Direktduellen vorlag, dankte es mit einem Return-Winner quer zum Court. Die Ballons über dem Hard Rock Stadium schwebten noch, als Cilic schon 0:3 hinten lag.
Die Technik lieferte im siebten Game den Comedy-Act des Abends. Ein Cilic-Aufschlag landet dicht an der Linie, Zverev fordert die Hawk-Eye-Prüfung – und der Ball ist draußen. Jubel, dann Irritation: Cilic will wissen, ob sein erster oder zweiter Aufschlag gecheckt wurde. Antwort des Chair Umpires: „Der erste.“ Problem: Der war unbestritten draußen. Die Maschine hatte fälschlicherweise den zweiten Ball analysiert – der saß. Allensworth korrigiert sich, das Publikum lacht, Zverev schmunzelt und serviert Sekunden später den Satzball. 6:2, alles klar?

Zverevs gedankenspiele in der hitze von florida
Satz zwei sollte das Gegenteil von Satz eins werden. Cilic schraubte den Aufschlag auf 215 km/h, fand die Linie, fand Selbstvertrauen. Zverev blinzelte in die Nacht, wischte sich den Schweiß aus dem Nacken – und versenkte plötzlich die Vorhand im Netz. Break zum 6:5, Cilic ausgleicht. „Man spürt, dass die Luft hier dick ist“, sagt Zverev später. „Du atmest, aber bekommst keinen Sauerstoff.“
Der dritte Satz wird zur Mentalitätsfrage. Zverev beginnt mit einem Return-Lob, der so hoch fliegt, dass selbst die Drone über dem Stadion kurz kippelt. Break bei 2:1, dann Service-Winner, 3:1. Cilic schlägt das Racket gegen den Schuh, der Schall kriegt Echos aus dem Oberrang. Doch Zverev bleibt kühl, stellt den Zeiger auf 5:2, verliert noch einmal den Fokus, schafft aber beim 6:4 den Matchball mit einem Aufschlag, den Cilic nur noch berührt. 6:2, 5:7, 6:4 – die Zahlen sagen: knapp. Das Gefühl sagt: verdient.

Was ihn jetzt erwartet: halys und die nächste feuerprobe
Nun kommt Quentin Halys, der Franzose mit dem Vollbart und dem Aufschlag wie eine Kanone. Zverev kennt ihn aus Juniorenzeiten, beide trainierten in Frankreich auf denselben Plätzen. „Er hat nicht viel zu verlieren“, sagt Zverev. „Aber ich auch nicht.“ Die Bilanz gegen Halys: 1:0, aber das war 2017, und Miami ist ein Turnier, in dem sich alles um Timing dreht.
Zverevs Zwischenbilanz nach dem Cilic-Fight: 29 Asse, 71 Prozent erste Aufschläge, aber auch 38 unerzwungene Fehler. Die Zahlen liegen auf dem Tablett, doch Zahlen lügen manchmal. Das Gefühl stimmt: Er ist in Schlagdistanz zu seinem ersten Masters-Titel seit Rom 2017. Und er weiß: In der Nacht von Florida ist nichts unmöglich – außer vielleicht Schlaf.
